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Hack-Performance leitete
die Agrarwende ein
Für einen Tag wurde der
Hauptstadtboden zum Acker - gepflügte Hauptstadterde verschenkt Hack
an MdBs für ihre Büropflanzen im Reichstag
Am Montag, dem
10. September 2001, ließ der Ultimedia-Künstler Hermann Josef
Hack, 45, auf dem Breitscheidplatz im Herzen von Berlin im Rahmen einer
Performance mit dem Titel "Auf-Bruch" symbolisch den Hauptstadtboden
von einem Traktor umpflügen.

Bundesagrarministerin
Renate Künast (r) bringt am Montag (10.09.2001) in Berlin einen Eimer
mit Saatgut aus biologischem Anbau zum Aktionskünstler Hermann Josef
Hack. In seiner Aktion "Auf-Bruch" hatte er zuvor den Platz in der City
gepflügt, um den Boden für neue Ideen urbar zu machen.
Vor der Kulisse
der Gedächtniskirche im Zentrum der Metropole setzte Hack bildlich
um, dass neuer Boden für neue Ideen urbar gemacht werden muss.
Das Festgefahrene, Starre muss erst aufgelockert werden, damit dort
Raum für Neues entsteht.
Hack überreichte
der Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und
Landwirtschaft Renate Künast vor Ort symbolisch diese umgepflügte
Erde. Mit Unterstützung einer Schulklasse säte Renate Künast
den Ku'damm-Acker ein und startete anschließend einen bundesweiten
Wettbewerb für Modellregionen (www.modellregionen.de).

Bundesverbraucherministerin
Renate Künast und Aktionskünstler Hermann Josef Hack starten den Wettbewerb
"Regionen Aktiv".
Die gepflügte
Hauptstadterde verschenkt der Künstler an die Abgeordneten im Reichstag,
"damit sie ihre Büropflanzen abhärten und sich etwas
frische Landluft in die gute Stube holen," so Hack mit einem Augenzwinkern
in Richtung Pflanztrog seines Kollegen. Zu bestellen ist die Blumenerde
bei hackhyper@aol.com.
September 2001
Hack-Kunstprojekt zur ART Cologne: "Du bist Köln"
Eine Colonia-lisierung durch Straßennamen
ART Cologne, Köln
Messe, Halle 3.1, Ruhezone Gang G
Köln/Sankt Augustin.
Was wäre, wenn die Schildergasse in Köln plötzlich Ihren
Namen trüge? Wie würde der Stadtplan aussehen, wenn sämtliche
Straßennamen heute neu vergeben werden könnten?
Der Ultimedia-Künstler
Hermann Josef Hack, bekannt geworden durch den ARME-SOCKEN-TEPPICH und
das virtuelle Hochhaus des Volkes über dem Reichstag www.metropolis.de/tower-of-power,
macht es möglich: Zur diesjährigen ART Cologne wird Hack den
Straßen im Kölner Zentrum neue Namen geben lassen. Jeder
kann kostenlos eine Straße mit seinem Namen versehen.
Die Aktion wird am 30. Oktober
auf der ART Cologne in den Kölner Messehallen gestartet und wird
dann im Internet unter www.dubistkoeln.de einfach zu handhaben sein.
Anhand eines Stadtplans wählt man eine noch freie Straße
und gibt ihr den gewünschten Namen. Den neuen Stadtplan kann man
sich anschließend ausdrucken.
Hack, der bereits zur ART
Cologne 1995 mit seinem Virtuellen Dach und seinen Führungen für
Obdachlose durch die Kunstmesse Aufsehen erregte, will mit diesem Projekt
mehrere Wirkungen erzielen: "Zum einen möchte ich den "kleinen"
Leuten einmal die Gelegenheit geben, ihren Namen berühmt zu machen,
zum anderen soll mein Projekt dazu beitragen, dass man sich über
Herkunft und Bedeutung der Original-Straßennamen mehr Gedanken
macht."
Das unkonventionelle Kunstprojekt
wird auf der ART am Stand des Verlags Schuffelen in Halle 3.1, Ruhezone
Gang G, vertreten sein und entsteht in Kooperation mit der Firma gekko
Gesellschaft für Kooperation und Kommunikation, Sankt Augustin.
September 2001
Medieninformation und Einladung
zur Performance von Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack mit der Bundesministerin
für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft Renate Künast am
Montag, 10. September 2001, von 13 bis 14 Uhr, Berlin, Breitscheidplatz
Auf-Bruch Künstler Hack
pflügt Hauptstadtboden um
Am Montag, dem 10. September
2001, in der Zeit von 13 bis 14 Uhr, wird der Ultimedia-Künstler
Hermann Josef Hack, 45, auf dem Breitscheidplatz im Herzen von Berlin
eine Performance mit dem Titel "Auf-Bruch" durchführen.
Vor der Kulisse der Gedächtniskirche
im Zentrum der Metropole wird Hack ein Stück Hauptstadtboden umpflügen
lassen. Der Künstler will mit diesem Bild darauf hinweisen, dass
neuer Boden für neue Ideen urbar gemacht werden muss. Das Festgefahrene,
Starre muss erst aufgelockert werden, damit dort Raum für Neues
entsteht.
Hack wird der Bundesministerin
für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft Renate
Künast vor Ort symbolisch diese umgepflügte Erde übergeben.
Renate Künast wird anschließend einen Wettbewerb für
Modellregionen starten.
Juni 2000
EXPO 2000: Natur, Technik, wo bleibt der Mensch? Künstler Hack führt
Obdachlose und Erwerbslose durch die Weltausstellung
Das Aktionsbündnis des Ultimedia-Künstlers
Hermann Josef Hack "arbeit für zukunft" e.V. hat die Generalkommissarin für die
Weltausstellung Birgit Breuel in einem schriftlichen Appell daran erinnert, das
bei allem Stolz und aller Zuversicht diejenigen aus unserer Mitte nicht vergessen
werden dürfen, die aufgrund ihrer sozialen Benachteiligung ausgegrenzt werden.
Als Symbol für die nicht nur in
der sogen. Dritten Welt, sondern auch im Gastgeberland der EXPO 2000 zunehmenden
Millionen von Erwerbslosen, Obdachlosen, Armen und Schwachen hatte "arbeit für
zukunft" angeboten, wenigstens den ARME-SOCKEN-TEPPICH am Eröffnungstag der Weltausstellung
auszubreiten, um den Betroffenen ein Zeichen der Solidarität zu übermitteln.
Bisher hatte Hack gemeinsam mit
dem Aktionsbündnis den Läufer aus den Strümpfen tausender Erwerbsloser vor den
Spitzengesprächen zum Bündnis für Arbeit als friedliches und freundliches Zeichen
ausgerollt. Auch Bundeskanzlerkandidat Gerhard Schröder war vor zweieinhalb Jahren
auf diesem "roten Teppich der besonderen Art" zur Wahlurne geschritten.
Das Angebot wurde allerdings abgelehnt,
so dass für die EXPO gilt: Ausgegrenzte sind hier unerwünscht. Auch für die in
Hannover lebenden Obdachlosen, mit denen Hack bereits auf der CeBIT 1997 erste
kostenlose Internetzugänge für Menschen ohne festen Wohnsitz eingerichtet hatte
und demonstrativ Führungen durch die Messehallen durchführte, besteht keine Aussicht
auf Teilhabe an den Segnungen der Weltausstellung. Für sie wie für die übrigen
"armen Socken" heißt es am Eingang der Leistungsschau mit der Überschrift "Mensch,
Natur, Technik": Ihr müsst leider draussen bleiben.
Damit dies nicht so bleibt, wird
der Künstler Hack gemeinsam mit "arbeit für zukunft" eine kostenlose Führung Erwerbsloser
und Obdachloser durch die EXPO 2000 unternehmen. Bei dieser Gelegenheit sollen
die Menschen zu Wort kommen und ihre Eindrücke schildern, die ansonsten immer
außen vor bleiben. Als Termin ist der Samstag, 8.7.2000, avisiert. Der genaue
Zeitpunkt der Führung mit Pressekonferenz wird noch bekanntgegeben.
März 2000
Am 30.3.2000, 19.30h, live-online-Performance
im Stadtmuseum Siegburg anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Ultimedia" bis
30.4.2000.

März 2000
"Kunst des Teilens"
Notizen zu den Projekten von Hermann Josef Hack
von Jürgen Raap
Mit seinen aktuellen Bildern knüpft Hermann Josef Hack an eine Malaktion an,
die er 1998 im Bonner Kunstmuseum vor Publikum durchführte: LKW-Planen und PVC-Folien
dienten ihm als Malgrund für Motive mit Menschen, die Parabolantennen auf den
Köpfen haben. Auch die 1999/2000 entstandenen Arbeiten stellen eine großflächig
angelegte Malerei auf Plastikplanen dar, und sie sind zum Teil ebenfalls Ergebnisse
von Aktionen - Hack hat sie auf der Straße gemalt.
Sie greifen die Struktur des Internet-Browsers auf, aber nicht nur wegen ihres
aktionistischen Charakters sollten sie keinesfalls als Rückübersetzung des Medienbildes
in das klassische Tafelbild missverstanden werden, oder gar als Mimisis des PC-Bildschirms.
Denn oft kombiniert Hack auch eine Malaktion mit gleichzeitiger Online-Kommunikation;
und mit einer deutlichen Selbstironie bezeichnet er sich als "Ultimedia"-Künstler,
der zu den benutzten Medien und Disziplinen die nötige kritische Distanz hat,
und der sie dann in einem konkreten Projekt so miteinander kombiniert, dass sie
sich gegenseitig ergänzen, manchmal auch gegenseitig bedingen.
Die kompositorische Aufteilung des Bildgrundes in einzelne farblich unterschiedliche
Flächen bedeutet eine Analogie zu den Möglichkeiten, beim PC auf der Oberfläche
eines Datei- oder Website-Bildes Ein- und Überblendungen vorzunehmen bzw. zwei
Sites nebeneinander zu stellen.
Und wie im oberen Balken des PC-Bildes, so tauchen auch in den Hack'schen Malerei-Bildern
mitunter Internet-Adressen auf: "www.deacceleration.now" oder "http://internet.fuer.arme.org/index".
Manche spielen auf die Titel von Hacks Projekten an. Durchweg wirken sie wie Slogans.
Ihre Eindringlichkeit ergibt sich aus der Kürze und der plakativen Einfügung in
das Bildgeflecht, und ihre poetisch-lyrische Dimension ist als eine Text-Bild-Beziehung
zu charakterisieren, wie sie in vergleichbarer Weise vor 30-40 Jahren auch die
"Konkrete Poesie" ausgedrückt hatte. Man könnte diese Textbeigaben als "Online-Poesie"
bezeichnen.
Andere Bilder aus dieser Serie enthalten neben figurativen Motiven die Tastenbezeichnungen
"escape", "enter" oder "quit". Es sind Chiffren für "Zugang" und "Verlassen" bzw.
"Beenden", die hier eine mehrfache Bedeutung haben: Über eine konkrete Anspielung
auf die Tastenbefehle bei der PC-Bedienung hinaus sind sie "Schlüsselbegriffe"
in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht. Denn neben den eigentlichen figurativen
Bildmotiven manifestieren nämlich gerade diese Textbeifügungen die Inhalte und
Absichten der Malerei und der Projekte: Demokratische Teilhabe aller an den Ressourcen
und Möglichkeiten einer Gesellschaft. Teilen, Mitteilen, Austauschen, Einbeziehen...
Die Planen als Malgründe sind wetterfest, und somit können diese Bilder prinzipiell
überall präsentiert werden, vor allem auch an Orten, an denen Kunst sonst nie
stattfindet - kostenlos und für alle. Was Hack ins Internet stellt, wird ebenfalls
verschenkt.
Das ist mehr als nur eine symbolische Geste - auch die künstlerische Aufteilung
des Himmels führt durchaus zu praktischen Konsequenzen. Als Hack 1997 den Himmel
über diversen Städten (Bonn, Kassel, Hannover) parzellierte und diese Parzellen
als "virtuelles Dach" zum Verkauf anbot, konnten nämlich auf diese Weise Teilnehmer
miteinander in Kontakt treten, die sich sonst wahrscheinlich nie kennengelernt
hätten - immer geht es um eine konkrete Kommunikation, um eine soziale Komponente.
"Kunst des Teilens" heißt es auf einem der Bilder - und nach dem, was eben
skizziert wurde, versteht man, wieso gerade dieser Slogan einen programmatischen
Charakter für Hacks bisheriges Gesamtwerk hat. Unter diesem Schriftzug sieht man
im linken Bildteil drei Fahrzeuge in Form von Brotlaiben. Im rechten Bildteil
reicht eine weiße Umriss-Figur einen solchen "Brotwagen" einer ausgestreckten
Hand entgegen.
Der "Plot" dieser von links nach rechts zu lesenden Bild-Erzählung ist in gewisser
Weise eine zeitgemäße Variante der Legende des Hl. Martin von Tours, der zwar
nicht das Brot, wohl aber seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Die mythische
Bedeutung, die das Brechen und Teilen des Brotes hat, ist jedem geläufig. In manchen
Kulturräumen werden Salz und Brot zur Begrüßung gereicht, sie stehen gestisch-symbolisch
für eine Gastfreundschaft, die dem Gast bis zu einem gewissen Grade eine Verfügungsgewalt
über das Eigentum des Gastgebers einräumt.
Hacks Malaktionen transportieren die Frage einer allgemeinen "sozialen" Verfügbarkeit
über Bilder schlechthin und über Informationen. Allein der Umstand, dass die Erzeugung
und Verbreitung virtueller Bilder nicht apparateunabhängig erfolgen kann und dass
die Vermittlung von Kulturwerten (über Bilder und anderweitig) gemeinhin an Institutionen
gebunden ist, bedeutet eine Möglichkeit zur Kanalisierung des Bilderflusses, zur
Lenkung und auch zur Ausgrenzung.
Dass Millionen von Menschen, die des Englischen und des lateinischen Alphabets
nicht mächtig sind, aus dem globalen Medium "Internet" ausgegrenzt bleiben, ist
dabei nur ein Aspekt von mehreren. Erst recht bleiben jene von dieser zeitgemäßen
Form der sozialen Kommunikation ausgegrenzt, die noch nicht einmal ein Zweimark-Stück
für die neuen öffentlichen Nobel-Toiletten im Kölner Hauptbahnhof haben, geschweige
denn Geld für den Besuch eines Internet-Cafés, gar für die Anschaffung eines PCs
oder Laptops. Mithin ist die einst von Hilmar Hoffmann geprägte sozialdemokratische
Formel "Kunst für alle" heute um die Forderung "Internet für alle" zu ergänzen.
In Hacks Projekten wird in zeitgemäßer Weise die Beuys'sche Idee der "sozialen
Plastik" weitergedacht.
Eine Aufbrechung der institutionellen Abschottungen bei der Kunstvermittlung
scheint allerdings nicht so ohne weiteres möglich zu sein. Hack hatte Obdachlosen
angeboten, sie kostenlos über die Kasseler "documenta" und über die Kunstmesse
"Art Cologne" zu führen - dort brach er die Aktion jedoch bald ab, da sich einige
Galeristen so arrogant verhalten hätten, dass den Obdachlosen eine Konfrontation
mit solch einer Situation nicht weiter zuzumuten gewesen sei.
Als S.D. Sauerbier in den siebziger Jahren die Formel "Kunst als sozialer Prozess"
prägte, gab es noch kein Internet, dass jedem die Möglichkeit geboten hätte, Kunst
"ins Netz" zu stellen und dann jedem Interessenten die Möglichkeit, am Bildschirm
seines PC Kunst zu betrachten.
Seit den achtziger Jahren hat in zunehmendem Maße die Kommerzialisierung des
"Betriebssystems Kunst" den exklusiven und elitären Charakter des Kunstmarkts
verstärkt. Dabei sind die tradierten bildungsbürgerlichen Kulturwerte um unternehmensstrategische
"Imagewerte" ergänzt worden. Kunst im Internet mindert jedoch nicht die Schwellenängste
gegenüber den Real-Galerien. Und die repräsentativen Momente "hochkultureller"
Bedeutsamkeit, ebenso der Nimbus materieller Kostbarkeit, werden beim Kunstwerk
in privaten oder öffentlichen Sammlungen auch nicht gemindert, wenn man dieses
Werk im Internet betrachten kann.
Eine Internet-Dokumentation solcher Museums- und Sammlungsobjekte ergänzt mithin
lediglich den herkömmlichen gedruckten Katalog, aber sie demokratisiert den Kunstbetrieb
nicht wirklich. Davon zu unterscheiden sind aber Internet-Projekte von Künstlern,
in medienadäquater Weise ihre Arbeit bzw. ihr Anliegen kommunizierbar zu machen.
Dazu bedarf es einmal einer entsprechenden Bildästhetik und zum anderen einer
Umgangsform, die eben nicht ehrfurchtsvolles Betrachten einfordert, sondern eine
Interaktion ermöglicht: Bei der Vernissage seiner Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg
(März 2000) bietet Josef Hack z.B. "Menschen im Netz" an, sich an der Entstehung
eines Bildes zu beteiligen.
Das Internet soll jedem den Zugang zu einer globalen elektronischen Kommunikation
ermöglichen. Doch sehr rasch haben die Konzerne die basisdemokratischen, gar anarchischen
Wurzeln der Frühzeit gekappt und auch dieses Medium zu einem Herrschaftsinstrument
umfunktioniert. Josef Hack attestiert ihm feudal-barocke Formen, und tatsächlich
hat es in unserer aktuellen Zeitlage, die den immer schneller werdenden Umschlag
einer Überfülle an Informationen fetischisiert, der Vokabel "Wissen ist Macht"
eine neue Bedeutung verliehen. Die Suchmaschinen-Fürsten sind die grauen Eminenzen
der postmodernen Wissensgesellschaft.
Beim "Telebanking" wird jetzt schon der nächste Schritt in der Medienentwicklung
und der sozialen Kommunikation vorexerziert. Eine individuelle und persönliche
Kundenberatung im realen Service-Raum erfahren bei manchen Banken nur noch die
Großanleger; der lästige Kleinsparer hingegen wird an den Geldautomaten oder an
die Online-Angebote verwiesen. Das entspricht dem Prinzip des barocken Schlosses,
wo einst die "kleinen" Bittsteller nur bis ins Antichambre, das Vorzimmer, vorgelassen
wurden, während die erlauchteren Kreise Zugang zum Chambre des Herrschers hatten.
Die aus einer ständischen Gesellschaft bekannten Mechanismen der sozialen Differenzierung
und Hierarchisierung wirken ähnlich in einer modernen Massengesellschaft, und
natürlich auch in der postmodernen Cyber-Welt. Strukturelle "Entpersönlichung"
der Kommunikation im Sinne einer Aufhebung des Direktkontakts und sensuelle Entkörperlichung
des Mediums bilden dabei eine eigenartige Korrelation.
In der Kunst kann jedoch exemplarisch vorgeführt werden, wie sich diese Medien
kreativer und (inter)aktiver nutzen ließen, als man dies beim Kommerz-TV mit gelegentlichen
schein-demokratischen TED-Abstimmungen tut oder in den virtuellen Chat-Rooms.
Ein "richtiges Gespräch", wie es Hans-Georg Gadamer als "verantwortungsvolle Aufgabe
für die Philosophie" einfordert, wird in den TV-Talk-Shows nicht geführt. Zu diesen
Tendenzen stellen die diversen Hack-Projekte notwendige konzeptuelle Gegenentwürfe
dar. Bereits bei der Kasseler "documenta" 1992 trat er mit einem eigenen interaktiven
TV-Programm auf ("Van Gogh TV- piazza virtuale"). 1994 hatte Hack im Stadtmuseum
Siegburg eine bis dato weltweit einmalige Bildtelefonverbindung zwischen Forschern
am Nordpol, am Südpol und den Museumsbesuchern hergestellt.
Vor gut 30 Jahren, als die Satellitenübertragung noch in den Kinderschuhen
steckte, skizzierte der kanadische Medienwissenschafter Herbert Marshall Mc Luhan
seine Vision über "Krieg und Frieden im globalen Dorf". Seine Prognose, je mehr
wir übereinander wüßten (vor allem durch gegenseitige militärisch-nachrichtendienstliche
Aufklärung per Satellit), desto sicherer und friedlicher würde die Welt sein,
hat sich leider nicht bewahrheitet. In seiner derzeitigen und gängigen Struktur
erlaubt auch das Internet keine grundsätzliche Aufbrechung der Wissensmonopole.
Aus den ästhetischen Aspekten der Malerei-Serie ist natürlich auch die Tatsache
ablesbar, dass jemand, der sich wie Josef Hack als "Medienkünstler" einen Namen
gemacht hat, weiterhin Fragen nach der Stofflichkeit und nach der Materialität
von Malerei nachgeht. Darin liegt freilich kein künstlerischer Selbstzweck, denn
Hacks Projekte thematisieren -wie oben schon angedeutet - immer Fragen nach den
Bedingungen der (gesellschaftlichen) Produktion von Bildern und ihrer anschließenden
Verbreitung.
Der hyper-ästhetischen Buntheit der Medienbilder setzt Hack bewusst einfache
Zeichnungen entgegen - seine Figuren haben durchweg nur markante, schwarze oder
weisse Umrisse, manchmal an eine archaische Expressivität erinnernd, manchmal
an Comic strips. In einem "post-alphabetischen Zeitalter" (McLuhan) ist das wohl
eine absolut adäquate Form der Darstellung und Vermittlung.
Hacks Stilistik bzw. Formensprache richtet sich gegen jene Ästhetik des Ornamentalen,
mit der man auf den Internet-Seiten die barocken Banderolen zu "Laufwürsten" für
Werbebänder umzuformen pflegt. Jene Hierarchie, die vorgibt, wie man von der Startseite
zu den einzelnen Links gelangt, macht die jeweilige Web-Site zu einem elektronischen
Altar, der wie seine Vorläufer in den Barock-Kirchen eine Ordnung mit universellem
Anspruch widerspiegelt. Auch im virtuellen Raum ist der Wert einer Information
daran zu messen, inwieweit sie Heilsbotschaft sein kann. Hacks Aufruf zu einem
"Global Brainstorming" ist indessen anti-hierarchisch konzipiert - und anti-monopolistisch.
Bei einem rein technologischen Umgang mit bestimmten Medien wird eine emotionale
Komponente häufig vernachlässigt. Hieran knüpfte die Aktion "Charles Lindberghs
Last Dream" (1997) an: Hack schuf in Los Angeles auf einer Computermesse Bilder,
die via Internet in die Bonner Bundeskunsthalle übertragen und dort ausgedruckt
wurden. Per Videokonferenz konnte das Bonner Publikum den Entstehungsprozess live
miterleben und sich die Ausdrucke anschauen, "bevor in Los Angeles die Farbe trocken
war". Es interessiere ihn, ob "die Seele nachkommt, wenn meine Bilder schneller
als jedes Transportmittel den Kulturkreis wechseln", hatte Hack zu dieser Aktion
angemerkt.
Dem folgte 1999 ein Modell der "Entschleunigung" - wer www.hack-i.de.
anklickt, muss sich bei der interaktiven Mitgestaltung einer Bildesequenz auf
einen bewusst langsamen Bildaufbau einlassen. Die produktive oder unproduktive
Nutzung der Zeit ist keine Frage der Ökonomie, sondern der Wahrnehmungs- und Erlebnisintensität.
Hierbei wird der Nutzer zum Mitgestalter des Kunstwerks - die Rolle zwischen
Produzent und Rezipient wird nicht völlig aufgebrochen, aber relativiert. Andere
Projekte haben mit gemeinschaftlich entstandenen Kunstwerken zu tun. Ergebnis
einer Interaktion mit Arbeitslosen-Initiativen war z.B. der "Arme Socken-Teppich",
der anläßlich der Gespräche über ein "Bündnis für Arbeit" 1999 vor dem Bundeskanzleramt
ausgelegt wurde. Auf diese Aktion folgt im Sommer 2000 ein Projekt "Boden-Haftung"
vor dem Berliner Reichstag. Jeder kann dort seine alten Schuhe abstellen, und
die Politiker werden aufgefordert, sich einmal in die Schuhe der "kleinen, einfachen
Leute" und damit "auf den Boden der Tatsachen" zu stellen - denn wer allzu lange
in die Rituale von Sitzungen, Banketten und Empfängen eingebunden ist, erlebt
mit der Entfernung von der "Basis" und vom Alltag irgendwann einen Realitätsverlust.
März 2000
Pressemitteilung und Einladung
Hack, Ultimedia: Socken oder Satelliten?
Das Stadtmuseum Siegburg zeigt erstmals Bilder und eröffnet mit einer online-Performance
des Ultimedia-Künstlers am 30. März um 19.30 Uhr
Pressekonferenz am 29. März, 14 Uhr
Man kennt seine Aktionen für und mit Erwerbslosen aus der Tagesschau oder dem
heute journal, sein "Virtuelles Dach" eröffnete neue Internetzugänge für Menschen
ohne festen Wohnsitz. Ab dem 30.3.2000 sind seine im letzten Jahr auf der Strasse
entstandenen Bilder im Stadtmuseum Siegburg zu sehen. Warum zeigt der "Ultimedia"-Künstler
Hermann Josef Hack seine neuen Bilder ausgerechnet in der Kreisstadt und nicht
in Berlin? Hack dazu vor Medienvertretern in Bonn: "Ich arbeitete gerade daran,
den ARME-SOCKEN-TEPPICH in den Berliner Reichstag zu den Politikern zu bringen,
dort gehört er dauerhaft hin; mit der Ausstellung meiner Arbeiten in Siegburg
will ich deutlich machen, dass man heutzutage dank der neuen Medien überall Einfluss
nehmen kann. Ich will bewusst einen Gegenpunkt zur Monopolisierung und zum Zentralismus
setzen, der leider auch vom Kunstbetrieb unterstützt wird.
Statt auf die Big Boom Town Berlin setzt Hack vielmehr auf die Kraft medialer
Netzwerke. Ab heute arbeitet er mit Deutschlands grösster Internet-Gemeinde www.metropolis.de
zusammen, die mehr als 650.000 feste Mitglieder zählt.
So wird die Eröffnung seiner Ausstellung nicht nur den anwesenden Gästen direkte
Zugänge und Beteiligungsmöglichkeiten bieten, wie es bei all seinen Projekten
üblich war, sondern auch die Internet-Gemeinde ist eingeladen, sich bei der Entstehung
eines von Hack mit Pinsel und Farbe gemalten Bildes einzubringen.
Das Material, das Hack als Bildträger benutzt, ist so unüblich wie sein Zugang
zu den neuen Medien: wetterfeste Plastikplane, aus der Lkw-Abdeckungen und Bierzelte
gemacht werden. Der Mann, der Anfang der Neunziger Jahre als Pionier mit interaktivem
Fernsehen (documenta IX, Van Gogh TV) oder der ersten Bildtelefonverbindung zwischen
Nordpol, Südpol und der Öffentlichkeit ("Polarnacht", Siegburg) neues Terrain
in der Kunst eroberte, machte als erster auf die Notwendigkeit medialer Zugänge
auch für Ausgegrenzte aufmerksam und entwickelte ein neuartiges System, mit seiner
Kunst eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.
Die Ausstellung in Siegburg ist eine wichtige Standortbestimmung nicht nur
seiner Kunst, sondern wirft allgemein die Frage auf, wie Kunst und soziale Verantwortung
in der Informationsgesellschaft aussehen müssen. Hacks Antwort wird in Siegburg
deutlich: Socken und Satelliten!
Es erscheint ein Katalog von Andreas Pohlmann mit einer Einführung von Jürgen
Raap, der nicht nur die gezeigten Arbeiten wiedergibt, sondern weitere Einblicke
in das Schaffen des "Ultimedia"-Künstlers möglich macht.
März 2000
Pressemitteilung und Einladung
Ultimedia Ausstellung mit online-Eröffnung von Hermann Josef Hack
im Stadtmuseum Siegburg am Donnerstag, 30.
März 2000, 19.30 Uhr
Der "Ultimedia"-Künstler Hermann Josef Hack wird seine Ausstellung
im Stadtmuseum Siegburg mit einer multimedialen Performance am 30. März unter
Beteiligung des Publikums im Museum und im Internet eröffnen.
Seit Anfang der Neunziger Jahre machte Hack durch unkonventionelle Projekte
mit neuen Medien vor allem überregional auf sich aufmerksam. Zu einer Zeit,
als noch kaum jemand den Begriff Internet kannte, verband der Künstler mit
städtischem Atelier in der Kreisstadt Menschen an schwer zugänglichen
Orten mit der breiten Öffentlichkeit per Satelliten und neuen Kommunikationstechniken.
Mit Van Gogh TV - piazza virtuale - betrat Hack auf der documenta IX 1992 in Kassel
absolutes Neuland für die Medienkunst. Das weltweit erste interaktive Fernsehprogramm
gestaltete er mit eigenen Sendungen, die international empfangen wurden. Die "Polarnacht"
am 30.7.1994 dürfte nicht nur den meisten Siegburgern, sondern auch vielen
Menschen aus der Kunst- und Medienszene in guter Erinnerung geblieben sein: Als
Weltpremiere realisierte Hack die erste Bildtelefonverbindung von Forschern am
Südpol mit Forschern am Nordpol und den MuseumsbesucherInnen in Siegburg.
Mit dem Virtuellen Dach - www.hack-roof.de
- , welches beim internationalen Prix Ars Electronica '97 in der Internetkathegorie
gewann - zeigte sich Hack erneut als Pionier im Internet. Er forderte und realisierte
kostenfreie Internetzugänge für Obdachlose u.a. in Hannover zur CeBIT,
als Künstler der Ausstellung "Ich, Phoenix" im Gasometer Oberhausen
und auf der documenta X in Kassel. In der Bundeskunsthalle zeigte er Bilder, die
er Minuten nach ihrer Entstehung in Los Angeles über Internet nach Bonn schickte.
Seit 1998 mischt sich Hack mit seinem Projekt ARME-SOCKEN-TEPPICH aktiv in die
gesellschaftliche Diskussion um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und verschafft
denjenigen eine exklusive öffentliche Wahrnehmung, welche von der Politik
ausgegrenzt werden.
Neben all den Internetaktionen entstehen täglich auch Bilder auf Hacks
Lieblingsmaterial, Plastikplane, der "Leinwand der einfachen Leute".
Das Museum zeigt eine Auswahl aktueller Arbeiten, die sich kritisch mit der von
den neuen Medien geprägten Sehweise auseinandersetzen, welche sich auf das
Klicken der Schlüsselbegriffe "enter" und "escape" reduzieren
lässt. Für den Kölner Kunstkritiker Jürgen Raap, der die Eröffnungsrede
hält, "manifestieren gerade diese Textbeifügungen die Inhalte und
Absichten der Malerei und Projekte: Demokratische Teilhabe aller an den Ressourcen
und Möglichkeiten einer Gesellschaft. Teilen, Mitteilen, Austauschen, Einbeziehen..."
Am Eröffnungsabend will Hack die BesucherInnen selbst erfahren lassen,
wie eine online vernetzte Party mit Teilnehmern der gesamten Internet-Gemeinde
aussehen kann. In Zusammenarbeit mit Metropolis - www.metropolis.de
- , einer Internet community mit über 600.000 registrierten "Einwohnern",
wird die Eröffnung weit über den Bereich Siegburgs getragen, die Menschen
im Netz können sich an der Entstehung eines Bildes beteiligen.
Es erscheint ein Katalog von Dr. Andreas Pohlmann mit einer Einführung
von Jürgen Raap, der nicht nur die gezeigten Arbeiten wiedergibt, sondern
weitere Einblicke in das Schaffen des "Ultimedia"-Künstlers möglich
macht.
11. Februar 2000
Pressemitteilung
Künstler Hack plant grosse Aktion vor dem Reichstag: "Boden-Haftung"
Stummer Protest mit alten Schuhen gegen eine Politik, die sich vom Boden der
Tatsachen entfernt hat
Zurück auf den Boden der Tatsachen wollen die Bürgerinnen und Bürger
ihre Repräsentanten holen, die sich immer weiter von den Anliegen der kleinen
Leute entfernt haben. Statt sich um die drängenden Belange der Bevölkerung
wie Massenarbeitslosigkeit und Gestaltung einer lebenswerten Zukunft zu kümmern,
nimmt man die meisten Politiker nur noch in eigener Sache wahr, wenn sie sich
gegen Missbrauch- und Filzokratievorwürfe verteidigen.
Spendenskandale, Falschaussagen, Beteuerungen, die nach täglicher Wetterlage
wechseln, kann keiner mehr hören. Die MandatsträgerInnen sind für
die meisten Menschen abgehoben, unerreichbar geworden und lassen sich im Reichstag
nur blicken, wenn es sich für sie persönlich lohnt. Das wollen sich
die meisten nicht mehr bieten lassen. Die Gefahr einer Radikalisierung wächst,
die Gruppe der Nichtwähler war noch nie so erschreckend gross.
Der "Ultimedia"-Künstler Josef Hack, bekannt durch seinen ARME-SOCKEN-TEPPICH,
mit dem er medienwirksam auf die Belange der Erwerbslosen hinweist, hat eine weitere
Kunstaktion geplant, um den "einfachen, kleinen Leuten", die unsere
Demokratie tragen, eine Darstellungsmöglichkeit für ihre Unzufriedenheit
zu geben. Hack: "Bevor die öffentliche Unzufriedenheit von radikalen
Rattenfängern missbraucht wird, will ich als Künstler der Bevölkerung
eine symbolische Gelegenheit geben, ihren Politikern zu zeigen, dass sie von ihnen
mehr Nähe zu den eigentlichen Problemen erwartet."
In der Bundeshauptstadt Berlin will Hack ein friedliches, stummes Zeichen gemeinsam
mit der Bevölkerung setzen, welches jeder Einzelne mitgestalten kann, um
seinen Unmut friedlich zum Ausdruck zu bringen.
Vor dem Reichstagsgebäude will Hack einen riesigen Teppich aus alten Schuhen
zusammentragen lassen, d.h. jeder kann seine alten Schuhe dort aufstellen und
seine Abgeordneten und die Regierung auffordern, sich "in die Schuhe der
einfachen Leute zu stellen", also wieder in die Lage derjenigen zu versetzen,
welche sie gewählt haben. "Ihr seid abgehoben, habt den Boden der Tatsachen
schon verlassen", mögen viele ihnen symbolisch zurufen und sie so wieder
auf die Erde zurückholen. Durch Schilder mit dem Namen derjenigen Politiker,
die besonders gemeint sind, können die Schuhe gekennzeichnet werden, diese
Schilder kann man später den Betreffenden übergeben.
Der Künstler sieht in seiner Aktion eine wichtige demokratische Funktion,
die sich mittels bildlicher, haptischer Elemente als Ausdruckmittel, als Ventil
versteht: "So lange die Menschen mit künstlerischen Mitteln ein Netzwerk
bilden und nicht mit Pflastersteinen werfen, funktioniert unser Gemeinwesen gut.
Damit es so bleibt und die Politiker eine Chance erhalten, sich mit dem Protest
positiv auseinanderzusetzen, möchte ich dieses Kunstwerk realisieren.
Die mitgebrachten Schuhe werden von einer caritativen Einrichtung eingesammelt
und einer Verwertung zugeführt, deren Erlös Menschen in Not zugute kommt.
Die Aktion ist für den Sommer in Berlin vorgesehen, nähere Einzelheiten
werden noch bekanntgegeben.
Pressemitteilung und Einladung zum Pressetermin
am Sonntag, 12. Dezember 1999, 15-16 Uhr,
Zufahrt zum Bundeskanzleramt, Schloßplatz, Berlin
Bündnis für Arbeit:
Künstler Hack breitet ARME-SOCKEN-TEPPICH vor Kanzleramt in Berlin aus
Am 12. Dezember wird das vierte Spitzengespräch zum Bündnis für Arbeit im Bundeskanzleramt
stattfinden. Wie schon bei allen bisherigen Spitzengesprächen wird der Ultimedia-Künstler
Josef Hack die Teilnehmer vor dem Kanzleramt mit seinem ARME-SOCKEN-TEPPICH, einem
Kunstwerk aus den Strümpfen tausender Erwerbsloser aus ganz Deutschland, begrüssen.
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Ultimedia-Künstler Josef Hack am 12.12.1999
vor dem Bundeskanzleramt in Berlin mit dem ARME-SOCKEN-TEPPICH während seiner
Performance zum 4. Bündnis für Arbeit-Spitzengespräch "Kunst des Scheiterns",
Foto: Reuters |
Hack will gemeinsam mit Erwerbslosen des von ihm gegründeten bundesweiten Aktionsbündnis
"arbeit für zukunft" e.V. darauf hinweisen, dass die Betroffenen auch nach einem
Jahr immer noch nicht beim Bündnis vertreten sind, und durch seine Kunstaktion
den vielen Einzelschicksalen eine grössere Aufmerksamkeit verschaffen. Hack: "Statt
sich mit den Anliegen der "armen Socken" zu identifizieren, finden sich immer
mehr Menschen mit der hohen Zahl von Erwerbslosen als notwendiges Übel ab. Arbeit
gibt es genug, die Neuverteilung als kulturelle Herausforderung muss umso deutlicher
in die öffentliche Wahrnehmung gerückt werden. Dies geht uns alle an. Der ARME-SOCKEN-TEPPICH
als Netzwerk will hierzu ein deutliches Zeichen setzen."
In der Zeit von 15 bis 16 Uhr, also eine Stunde vor Beginn der Gespräche, wird
Hack gemeinsam mit Erwerbslosen den ARME-SOCKEN-TEPPICH vor der Zufahrt zum Bundeskanzleramt,
Schloßplatz, Berlin, ausrollen. Während dieser Aktion wird die Gelegenheit zu
Information und Interviews, insbesondere aus Sicht von Betroffenen ein Jahr nach
dem Start des Bündnis für Arbeit, gegeben.
Künstler Hack läßt "Zukunftsbrötchen" für Dortmund
backen
Deutsche Arbeitsschutzausstellung und Bäckerinnung fördern eine
besondere Form des Dialoges über die Zukunft der Arbeit auf der Brötchentüte
Wenn die Deutsche Arbeitsschutzausstellung Dasa ihre neue Ausstellung "Suche
Arbeit brauche Zukunft" (bis 28.11.1999) und den Jugendkongress `99 (bis 5.11.1999)
eröffnet, wird dort zugleich ein Projekt des Aktionskünstlers Josef
Hack gestartet, an dem sich die gesamte Bevölkerung Dortmunds beteiligen
kann. Hack lädt alle ein, sich Gedanken zu machen, wie man sich wohl das
tägliche Brot in der Zukunft verdienen wird.
Der Künstler, der mit spektakulären Aktionen wie dem "Virtuellen
Dach über dem Ruhrgebiet" (Gasometer Oberhausen 1996) für Aufmerksamkeit
sorgte, als er den Himmel über dem Revier gegen eine Zukunftsvision verkaufte,
oder durch seinen ARME-SOCKEN-TEPPICH, den er den Bündnis-für-Arbeit-Teilnehmern
vor dem Kanzleramt ausrollte, die Belange der Erwerbslosen in den Mittelpunkt
rückte (siehe im Internet www.hack-roof.de), will mit dem Projekt "Zukunftsbrötchen
back dir deine Zukunft" einen ungewöhnlichen Dialog ins Leben rufen.
Mit Unterstützung der Bäckerinnung Dortmund und Lünen gibt es
ab dem 9. November in den meisten Dortmunder Bäckereien "Zukunftsbrötchen"
zu kaufen, die sich besonders durch ihre Verpackung von den bisherigen Backwaren
unterscheiden. Die Tüten nämlich, die bislang nur dem Transport dienten
und anschließend in den Müll wanderten, hat Hack umfunktioniert zum
Kommunikationskunstwerk. Auf jeder Brötchentüte befinden sich mindestens
fünf Meinungen junger Menschen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren aus dem
Raum Dortmund zur Zukunft der Arbeit. Die Käufer sind nun aufgefordert, in
einen Dialog einzutreten, d.h. ihre persönliche Stellungnahme hierzu auf
die Brötchentüte aufzuschreiben und diese an die Dasa zu senden oder
dort vorbeizubringen. Dort werden die Kommentare ausgewertet, die Tüten vom
Künstler handgestempelt und signiert und anschließend den Einsendern
zur Verfügung gestellt. Bis Ende des Jahres besteht für die gesamte
Bevölkerung die Möglichkeit, sich am Dialogprojekt zu beteiligen und
sich so sein persönliches Kunstwerk zu sichern.
Zur Vorstellung des Projekts sind Sie herzlich auf ein "Zukunftsbrötchen"
in die Bäckerei Kreis, Hagener Str. 357, Dortmund-Kirchhörde, am 9.11.
um 12 Uhr eingeladen. Als Gesprächspartner stehen Ihnen zur Verfügung:
Jürgen Böhm, Geschäftsführer der Bäckerinnung Dortmund
und Lünen, Jugendliche, deren Meinungen sich auf den Brötchentüten
wiederfinden, und der Künstler Josef Hack.
DER ARME-SOCKEN-TEPPICH
Ein "Ultimedia"-Kunstwerk von Josef Hack
Im Sommer 1998 hatte der Künstler Josef Hack die Idee, denjenigen eine
Plattform für öffentliche Aufmerksamkeit zu bereiten, die keine Lobby
haben und auch von der öffentlichen Wahrnehmung ausgegrenzt sind, weil sie
sich verständlicher Weise nicht outen möchten: Den "armen Socken" unserer
Gesellschaft, Erwerbslosen, Obdachlosen und anderen Verlierern, die auf unsere
Solidarität angewiesen sind.
Hack, der nach seinen Erfolgen mit dem weltweit ersten interaktiven Fernsehprojekt
"Van Gogh TV piazza virtuale" auf der documenta IX 1992 in Kassel sich mit Medienkunstwerken
im Internet als einer der ersten in Deutschland einen Namen gemacht hat, hatte
schon 1995 damit begonnen, sich für die Ausgegrenzten der Informationsgesellschaft
einzusetzen, indem er als erster eine Homepage und eigene Begegnungsmöglichkeiten
mit kostenfreiem Internetzugang für Menschen ohne festen Wohnsitz in verschiedenen
grossen Städten einrichtete (Das Virtuelle Dach www.hack-roof.de).
Um den Millionen Ausgegrenzten, die sich bisher nur in abstrakten Statistiken
wiederfanden, ein Gesicht zu geben, ohne sie zu stigmatisieren, startete Hack
einen Aufruf, ihm stellvertretend eine Socke zu schicken, die das jeweilige Einzelschicksal
repräsentiert. Tausende von Socken erhielt der Künstler aus ganz Deutschland.
Die Betroffenen hatten den ersten wichtigen Schritt unternommen und verstanden,
dass auch sie selbst etwas unternehmen müssen, um gehört und gesehen
zu werden. Hacks Kunstprojekt war ihnen hierfür sehr willkommen.
Aus den vielen Strümpfen, denen die Spuren eines entbehrungsreichen Lebens
anzusehen sind, fertigte Hack einen bunten Teppich, d.h. mehrere ca. ein Meter
breite und ca. fünf Meter lange Läufer, die er anstelle eines roten
Teppichs dort ausrollt, wo unter der Aufmerksamkeit der Medien wichtige und bekannte
Politiker, die Reichen und Einflussreichen, öffentlich Boden betreten. Der
Teppich als Symbol des friedlichen und freundlichen Willkommenheissens, der Begegnung,
eine Brücke, wurde fortan ein Netzwerk, das die vielen "armen Socken", die
einzeln nicht wahrgenommen werden, zu einem unübersehbaren "Hingucker" verband.
Die Premiere als Kunstaktion erlebte der ARME-SOCKEN-TEPPICH am Tag der Bundestagswahl,
dem 27.9.1998, als Kanzlerkandidat G. Schröder unter grossem Medienaufgebot
in Hannover auf diesem zur Wahlurne ging.
Um die Interessen der stummen Betroffenen in Bilder umzusetzen und mit den
Verantwortlichen diese dort zusammenzubringen, wo über das Schicksal der
"armen Socken" entschieden wird, holte Hack eine Ausnahmegenehmigung vom Bannmeilengesetz
ein und rollte gemeinsam mit Erwerbslosen den ARME-SOCKEN-TEPPICH vor dem Bundeskanzleramt
in Bonn aus. Am 7.12.1998, am 25.2.1999 und am 6.7.1999, als dort die Spitzengespräche
zum Bündnis für Arbeit stattfanden, rollten die Limousinen der Teilnehmer
über den "roten Teppich der besonderen Art" zum Bundeskanzler.
Durch die flächendeckende Berichterstattung in den Fernsehnachrichten,
in Rundfunk, Tageszeitungen usw. ergab sich eine Rückkopplung für die
Sockenspender/innen, welche zum ersten Mal feststellen konnten, wie sie an prominenter
Stelle Schlagzeilen machten.
Inzwischen beteiligen sich immer mehr Menschen an Hacks Projekt. Teile des
ARME-SOCKEN-TEPPICHs sollen an wichtige Entscheidungsträger übergeben
werden, um sie dadurch zu ermuntern, sich auch für diejenigen einzusetzen,
die sich keine Lobby und keine Public Relations leisten können.
Nicht anklagen und jammern, sondern zu neuen Ideen inspirieren und Freude am
Teilen wecken soll der ARME-SOCKEN-TEPPICH nach dem Willen seines Urhebers Josef
Hack, der noch weitere Aktionen für die Schwachen und Ausgegrenzten plant.
Inzwischen hat der Künstler Hack auf Nachfrage zahlreicher Kunstfreunde
eine Serie von Computerdrucken mit Originalausschnitten des ARME-SOCKEN-TEPPICHs
herausgegeben. In einer Auflage von je fünf Exemplaren werden diese vom Künstler
handgestempelt und signiert zu einem für alle erschwinglichen Preis von 200
DM incl. Holzrahmen angeboten. Vom Verkauf jedes Druckes spendet Josef Hack 50
DM an den von ihm gegründeten Verein "arbeit für zukunft".
Hacks Haltung, den erweiterten Kunstbegriff als Herausforderung anzunehmen,
sich mit den dringendsten Fragen der Gesellschaft, der Gestaltung der Arbeit der
Zukunft, zu beschäftigen, mag für viele Kunstfreunde noch gewöhnungsbedürftig
sein, bei den zahlreichen Betroffenen fand sie sofort Verständnis und grosse
Sympathie, die mit dem Erfolg der Aktion von Tag zu Tag wächst.
Presseeinladung zum Fototermin
am 20. September 1999,
12.30 Uhr,
im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung,
Jägerstr. 9,
10117 Berlin
Künstler Hack übergibt ARME-SOCKEN-TEPPICH an Minister Riester
Am 20. 9. 1999, um 12.30 Uhr, wird der "Ultimedia-Künstler" Josef Hack
ein Teil seines ARME-SOCKEN-TEPPICHs Bundesarbeitsminister Walter Riester für
dessen neuen Dienstsitz in Berlin anläßlich eines Gedankenaustauschs
überreichen.
Der Teppich, ein aus tausenden Strümpfen erwerbsloser Menschen in ganz
Deutschland gefertigtes Kunstwerk, wurde von Hack anstelle eines roten Teppichs
mehrfach öffentlich ausgerollt, um diejenigen in den Mittelpunkt des Medieninteresses
zu rücken, die sonst immer ausgegrenzt sind: "arme Socken", Erwerblose und
ihre Freunde. Jede Socke repräsentiert ein Einzelschicksal, in der Masse
ein eindringliches Zeichen, das den vielen Betroffenen zeigen soll, dass sie nicht
allein sind.
Am 27. September 1998 ging Gerhard Schröder auf dem ARME-SOCKEN-TEPPICH
zur Bundestagswahl und stellte sich als Hoffnungsträger gerne so den Fotografen.
Vor den Spitzengesprächen zum Bündnis für Arbeit rollte Hack seinen
Teppich vor dem Bonner Kanzleramt aus, um mit diesem friedlichen und einladenden
Zeichen auf die notwendige Beteiligung der Betroffenen hinzuweisen.
Nun soll ein Teil des immer weiter wachsenden "Medienkunstwerks mit einfachen
Mitteln", so der Künstler, in den Diensträumen des Bundesarbeitsministers
an die "armen Socken" gemahnen. Hack: "Ich freue mich, dass Herr Riester mein
Angebot angenommen hat, dieses symbolträchtige Netzwerk in seiner Umgebung
aufzuhängen. Es soll ihn und die Menschen, mit denen er zusammenkommt, ermuntern,
sich auch für diejenigen einzusetzen, die sich keine Lobby und keine professionelle
Public Relations leisten können. Der Teppich will nicht jammern und anklagen,
sondern möge seine Besitzer zu neuen Ideen und Vernetzungen inspirieren.
Wenn die tausenden von Sockenspendern sehen, dass ihre Botschaft an der Schaltstelle
der politischen Macht angekommen ist, werden sie weiter Hoffnung haben, dass sich
etwas zu ihren Gunsten bewegt. Es darf natürlich nicht nur beim Symbol bleiben."
Hack, der bereits Anfang der Neunziger Jahre mit Internetprojekten für
Obdachlose (Virtuelles Dach - www.hack-roof.de) und Kunstaktionen für Ausgegrenzte
Aufmerksamkeit erregte, gründetet im April ein Aktionsbündnis für
Neue Arbeit " arbeit für zukunft"
als Interessenvertretung von Erwerbstätigen und Erwerbslosen mit Sitz in
Bonn. Gemeinsam mit Wissenschaftlern, Künstlern, Journalisten und Politikern
sollen mit Betroffenen neue Ideen entwickelt bzw. öffentlich vorgestellt
werden. Vorsitzender Hack: "Die Gestaltung einer menschenwürdigen Arbeit
für die Zukunft und die sofortige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sind
nicht nur Aufgaben der Wirtschaft und der Funktionäre. Vielmehr handelt es
sich um kulturelle Herausforderungen für uns alle. Erst wenn jeder versteht,
dass dies uns alle angeht, wird sich etwas bewegen. Meine Kunst will hierzu die
Impulse geben und Zeichen setzen." Ein Teil des ARME-SOCKEN-TEPPICHs kann sich
übrigens jetzt jeder als gestempeltes und handsigniertes Kunstwerk erwerben.
Hack hat eine limitierte Auflage von Computerdrucken geschaffen, die zum Preis
von 200 DM veräussert werden, wovon 50 DM an den Verein "arbeit für
zukunft" fliessen.
Pressemitteilung, 7. Juli 1999
Bündnis für Arbeit: Viel Lob für Nichts
Bewertung aus Sicht der Betroffenen am Tag danach
Zehn Monate nach der Bundestagswahl und mehr als vier Monate nach dem letzten
Treffen kam gestern Abend das Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit
in Bonn zum dritten Mal zusammen.
Vor dem Kanzleramt wurden die Teilnehmer wieder von Ultimedia-Künstler
Hermann Josef Hack, Mitgründer von arbeit für zukunft, mit dem
ARME-SOCKEN-TEPPICH empfangen. Außerdem ließen sich Klaus Zwickel,
Dieter Schulte, Hans-Olaf Henkel, Roland Issen sowie Dieter Hundt von Hack Brote
in Form von Autos als Symbole für die "Kunst des Teilens" sowie eine Liste
von Prüfsteinen für das Bündnis überreichen. Die notwendige
Bereitschaft zu teilen wurde im Sinne der Betroffenen, die wieder nicht teilnehmen
durften, medienwirksam dargestellt.

Quelle: Reuters
Diese Betroffenen ziehen am Tag danach folgende Bilanz: "Außer unverbindlichen
Absichtserklärungen ist nichts herausgekommen", so Pressesprecher Dieter
Kübbeler, seit sechs Jahren arbeitslos, "diese Ankündigungen und Wünsche
kennen wir schon seit Jahren."
Die Erwerbslosen müssen feststellen, daß keine konkreten Maßnahmen
beschlossen wurden, die kurzfristig mehr Wachstum und Beschäftigung bringen.
Statt konkrete Ergebnisse zu erzielen, wurden wie üblich immer die bekannten
Standpunkte ausgetauscht, um das Bündnis in die vierte Runde zu retten.
Beispiel Abbau der Überstunden: Es sollen Maßnahmen gesucht und
gefunden werden, die zum Abbau von Überstunden führen. Hier ist nichts
Neues zu erkennen, vielmehr fragen sich die Betroffenen, weshalb von einem Durchbruch
gesprochen wird. Die Jahresarbeitszeitkonten werden nicht zu Neueinstellungen
führen.
Fazit aus Sicht der Erwerbslosen: Diese Vorgehensweise zeigt, es ist notwendiger
denn je, daß die bisherige Trennung von "Tätern", wie es kürzlich
ein Langzeitarbeitsloser formulierte, am Bündnistisch und "Opfern" draußen
vor der Tür aufgehoben wird. arbeit für zukunft stellt fest:
Solange nur diejenigen, die für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich
sind, bzw. die gezeigt haben, daß sie in der Vergangenheit die Probleme
nicht lösen konnten, unter sich bleiben, bleibt es bei schönen Absichtserklärungen,
die sich am Ende als heiße Luft herausstellen.
arbeit für zukunft stellt sich als Interessenvertreter der Erwerbslosen
und Erwerbstätigen als Gesprächspartner für das nächste Bündnis-Gespräch
zur Verfügung und wird nicht locker lassen, die Anliegen der Betroffenen
in die Öffentlichkeit zu tragen und neue Wege zur Gestaltung der Arbeit in
Zukunft vorzustellen.
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| Quelle: Reuters |
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Pressemitteilung, 6. Juli 1999
Bündnis für Arbeit - Forderungen und Prüfsteine aus
Sicht der Betroffenen
arbeit für zukunft, das Europäische Aktionsbündnis für
Neue Arbeit, setzt sich als Interessenvertretung von Erwerbslosen und
Erwerbstätigen dafür ein, daß alle sich Gedanken über
eine würdige und zukunftsfähige Arbeit machen und dies in
Taten umsetzen. Das Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit
kann eine Chance sein, mit allen Kräften der Gesellschaft eine
gemeinsame Anstrengung zu unternehmen, um die Herausforderungen anzunehmen.
Es muß einerseits konkrete und rasch umsetzbare Schritte unternehmen,
um die Situation der Betroffenen hier und jetzt zu verbessern, gleichzeitig
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Gestaltung der Arbeit der Zukunft
als kulturelle Aufgabe begreifen, die nicht allein aus ökonomischer
Sicht betrachtet und behandelt werden kann. Solange die Betroffenen
nicht am Bündnistisch sitzen und ihre Forderungen und Erfahrungen
selbst einbringen können, besteht allerdings eine Schieflage, die
sich nicht durch andere Interessenvertreter ausgleichen läßt.
Mit mehreren Aktionen, z.B. dem ARME-SOCKEN-TEPPICH des Künstlers
und Mitgründers Hermann Josef Hack, hat arbeit für zukunft
als Vertretung insbesondere von Jugendlichen, Langzeitarbeitslosen und
Frauen, die als erste die Auswirkungen zu spüren bekommen, von
Anfang an auf diese Notwendigkeit hingewiesen.
Am 6.7.1999 wird das Bündnis zum dritten Mal im Bundeskanzleramt
tagen. arbeit für zukunft wird auch dann wieder vor dem Kanzleramt
die Anliegen der Betroffenen vertreten. Unsere Forderungen an das Bündnis
wurden als Prüfsteine für eine konkrete Arbeit aus Sicht der
Betroffenen aufgestellt. Erst wenn der erste Erwerbslose am Bündnistisch
Platz nimmt bzw. Frauen entsprechend ihrer Betroffenheit dort ausreichend
vertreten sind, kann man davon ausgehen, daß die offiziell vier
Millionen Ausgegrenzten wirklich ernst genommen werden.
Folgende Punkte gehören aus unserer Sicht dringend behandelt:
Neuverteilung der vorhandenen Arbeit
Durch eine konsequente Neuverteilung können kurzfristig einige
hunderttausend zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.
Dies ist eine vorrangige Aufgabe für das Bündnis für
Arbeit, das seit seinem halbjährigen Bestehen noch keine konkreten
Arbeitsplätze geschaffen hat.
Sozialauswahl bei Neueinstellungen - Priorität für Arbeitslose
Arbeitgebern in allen Bereichen sollte die Selbstverpflichtung auferlegt
werden, bei gleicher Qualifikation Arbeitslose bei der Vergabe von Arbeitsplätzen
vorrangig zu berücksichtigen. Bereits jetzt können nach dem
Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) soziale Belange - dazu gehört
auch Arbeitslosigkeit - für Neueinstellungen berücksichtigt
werden. Fakt ist jedoch, daß zunächst in den Reihen der Arbeitgeber
die diskriminierenden Vorurteile gegenüber Arbeitslosen überwunden
werden müssen, da in den meisten Fällen nicht persönliche
Gründe für die Arbeitslosigkeit maßgeblich gewesen sind,
vielmehr Arbeitslose besonders motiviert und qualifiziert sind. Durch
die Einstellung von Arbeitslosen leisten die Arbeitgeber nicht nur einen
Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, sondern auch zur Steigerung
der Kaufkraft und Verbesserung der Sozial- und Fiskalbilanz.
Arbeitsplätze statt Überstunden
Im Rahmen der Auseinandersetzung um die Lohnfortzahlung stellten die
Gewerkschaften mit Recht die Überstunden zur Disposition. Trotzdem
werden nach wie vor betriebliche Überstundenregelungen getroffen.
Solange die Gewerkschaften nur davon reden und ihre Betriebsräte
weiterhin alle Überstundenzettel querschreiben, wird hier nichts
passieren. arbeit für zukunft fordert von den Gewerkschaften das
gleiche Engagement beim Abbau der Überstunden wie bei der Diskussion
um die Lohnfortzahlung. Nach realistischen Schätzungen würde
dies zu ca. 300.000 neuen Arbeitsplätzen führen.
Reduzierung der geringfügigen Beschäftigungen
Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (z.B. 630-Mark-Jobs)
sind keine Arbeitsplätze. Der von der Regierung eingeschlagene
Weg, den Mißbrauch der 630-Mark-Jobs einzudämmen, darf nicht
aufgrund des Interessengeheules der Lobbyisten verlassen werden. Immer
mehr geringfügige Beschäftigungsverhältnisse haben Arbeitsplätze
vernichtet. Wie das neue Gesetz nach wenigen Wochen zeigt, sind bereits
die ersten geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse in
Voll- oder Teilzeitarbeitsplätze umgewandelt worden. Die weitere
Entwicklung sollte erst abgewartet werden, bevor unnötiger Weise
nachgebessert wird.
Mehr Teilzeitarbeit möglich machen
Die Nachfrage nach Teilzeitarbeit ist weit größer als das
Angebot. Nach Berechnungen des IAB der Bundesanstalt für Arbeit
können durch eine Steigerung der Teilzeitarbeit um 5,2% ca. 480.000
Arbeitsplätze geschaffen werden. Der öffentliche Dienst muß
hier eine Vorreiterrolle übernehmen. Kostenneutrale Anreize oder
Arbeitsplatzeinrichtungszuschüsse wären ein richtiger Weg.
Keine Zweitjobs bei ausreichendem Einkommen
Wenn sich unsere Gesellschaft mit den Schwachen solidarisiert, muß
sie verhindern, daß zusätzlich zu einem geregelten Vollzeitarbeitsplatz
mit tariflicher Bezahlung und sozialer Absicherung weitere Jobs bei
ausreichendem Einkommen angenommen werden. In Deutschland haben 528.000
Männer und 183.000 Frauen einen Zweitjob neben einem Vollzeitarbeitsplatz
(Statistisches Bundesamt). Nach Schätzungen des Präsidenten
des Bundesverbandes deutscher Unternehmensberater werden alleine im
Beamtenbereich 400.000 Arbeitsplätze durch Nebenbeschäftigungen
blockiert.
Bekämpfung der Schwarzarbeit
Nach seriösen Schätzungen (Quelle: Friedrich Schneider, Linz
"Stellt das starke Anwachsen der Schwarzarbeit eine wirtschaftspolitische
Herausforderung dar? Einige Gedanken aus volkswirtschaftlicher Sicht",
Arbeitspapier 9000806, Jenner 1999) kann man davon ausgehen, daß
die Schwarzarbeit allein in 1997 15% des Bruttosozialprodukts ausgemacht
hat, das sind 548 Milliarden DM mit steigender Tendenz, mehr als 18
mal soviel wie die 30 Mrd. Eichel-Einsparung! Der volkswirtschaftliche
Schaden trifft die gesamte Gesellschaft durch ausbleibende Steuern bzw.
Sozialabgaben und vernichtet Arbeitsplätze im 1. Arbeitsmarkt.
Nur durch eine konsequente und wirksame Bekämpfung der Schwarzarbeit
läßt sich dieser Schaden verringern.
Qualitäts- und Erfolgskontrolle bei Maßnahmen, die durch
die Bundesanstalt für Arbeit gefördert werden
Viele Qualifizierungsmaßnahmen gehen ins Leere, wenn sie nicht
am Erfolg ihrer Bemühungen gemessen werden. Was nutzt es, wenn
kurzfristig Menschen qualifiziert werden, um dann wieder in die Arbeitslosigkeit
zu fallen? Nur wenn auch hier höchste Professionalitäts- und
Qualitätsanforderungen zugrunde gelegt und vor allem einer Erfolgskontrolle
unterzogen werden, sind die öffentlichen Gelder der Bundesanstalt
für Arbeit richtig angelegt.
Keine Parkplätze im 2. Arbeitsmarkt
Der 2. Arbeitsmarkt ist notwendig und sinnvoll zur Unterstützung
von Programmen für Jugendliche, Frauen und bestimmte benachteiligte
Gruppen. Akzeptabel ist er nur, wenn eine befristete Förderung
mit dem Ziel Schaffung von Dauerarbeitsplätzen erfolgt. Der jetzige
Verfall des 2. Arbeitsmarktes zum Parkplatz für Arbeitslose und
zur Degenerierung zur Sozialpolitik kann nicht hingenommen werden. Die
meisten Arbeitslosen sind keine Betreuungsfälle, sie sind motiviert
und qualifiziert zu arbeiten. Die Institutionalisierung des 2. Arbeitsmarktes
durch Planstellen für Projektleitung, Betreuung etc. hat zu einer
permanenten Verwaltung der Arbeitslosigkeit, nicht zur Bekämpfung
geführt. arbeit für zukunft fordert daher eine Evaluierung
des 2. Arbeitsmarktes.
Mitwirkung von Betroffenen, wo über Betroffene entschieden wird
arbeit für zukunft fordert Mitwirkung in allen Gremien, die auf
die Entwicklung am Arbeitsmarkt ausgerichtet sind durch diejenigen,
über deren Schicksal dort entschieden wird. Dies trifft vor allem
auf das bundesdeutsche Bündnis für Arbeit zu, läßt
sich aber genauso für den beschlossenen Europäischen Beschäftigungspakt
feststellen: Es kann nicht sein, daß diejenigen, die für
die Massenarbeitslosigkeit verantwortlich sind, jetzt unter Ausschluß
der Betroffenen versuchen, Lösungen zu finden, die sie jahrelang
nicht angeboten haben, oder härter ausgedrückt von einem Erwerbslosen:
"Die Täter sitzen am runden Tisch, die Opfer müssen draußen
bleiben."
Die über vier Millionen Arbeitslosen müssen ebenso an den
Selbstverwaltungsorganen der Bundesanstalt für Arbeit beteiligt
werden. Sie wissen am besten, welche Maßnahmen den Erwerbslosen
wirklich nutzen.
Effiziente Unterstützung bei Existenzgründungen
Viele junge UnternehmerInnen würden gerne das Risiko einer Existenzgründung
eingehen, mit dem sie anderen neue Arbeitsplätze schaffen. Was
fehlt, sind fachliche Unterstützung im Regulierungsdschungel der
Behörden und Risikokapital. Geld ist ausreichend vorhanden, es
wird aber nur denen gegeben, die schon reichlich haben. Nur, wenn Existenzgründungen
effizient gefördert werden, entstehen neue Arbeitsplätze,
vor allem im neuen Dienstleistungssektor.
Bedeutung und Stellenwert menschlicher Arbeit
Will man ein Bündnis für Arbeit schließen, sollte man
zunächst einmal den Stellenwert und die Bedeutung der menschlichen
Arbeit für die Gesellschaft diskutieren. Jede Interessengruppe
definiert Arbeit für ihre Zwecke anders. Die Würde und kulturelle
Bedeutung einer Arbeit, die diesen Namen verdient, kommt dabei zu kurz.
arbeit für zukunft fordert eine Grundsatzdiskussion in der Gesellschaft
über die Anforderungen an die Arbeit von heute und der Zukunft.
Pressemitteilung, 30. Juni 1999
hack-i.de
Künstler Hack macht jeden zum Mitkünstler im Internet
Neues Kunstwerk zur Entschleunigung geht heute online
Der Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, 43, dessen erstes Internet-Kunstwerk
"Virtuelles Dach" einen Ehrenpreis beim internationalen Prix Ars Electronica
1997 gewann, stellte heute, am 30. Juni, 11 Uhr, sein neues Internet-Kunstprojekt
im Stadtmuseum Siegburg, Markt 46, vor. Unter der Adresse www.hack-i.de
lädt der Künstler alle ein, sich auf eine Entschleunigung
einzulassen. Während für die meisten hektischen Netznutzer
das ungeduldige Warten auf die nächsten Webseiten eine schier unerträgliche
Qual bedeutet, dreht Hack die Sache um und läßt seine BesucherInnen
bewußt einen Prozeß der Verlangsamung erfahren.
Es startet der Gast, indem er oder sie in die erste aus über tausend
Zeichnungen klickt. Je nachdem, in welchen Bereich der Zeichnung geklickt
wurde, baut sich eine neue Zeichnung auf. Auf diese Weise entsteht eine
Reihe von Zeichnungen, die individuell vom jeweiligen Nutzer beeinflußt
und in ihrer Abfolge einmalig sind. Hack erklärt seinen Gast zum
Mitkünstler, der sich sein einzigartiges Kunstwerk
in Form eines comic strip mit entsprechendem Zertifikat ausdrucken
lassen kann. "Ich wollte etwas schaffen, das die Distanz zwischen Künstler
und Betrachter aufhebt, ohne auf einer banalen Unterhaltungsebene zu
landen", so Hack bei der Präsentation. "Es war nicht leicht, die
technischen Verknüpfungen so zu realisieren, daß der Nutzer
animiert wird, sich von der Langsamkeit inspirieren zu lassen. Ich danke
den Spezialisten der Firma gekko Gesellschaft für Kommunikation
und Kooperation in Sankt Augustin, die das Projekt technisch betreuen,
für ihre gute und kreative Arbeit."
Hack, vielen bekannt durch seine Kunstaktionen für Benachteiligte,
z.B. den ARME-SOCKEN-TEPPICH, hat bewußt eine reduzierte schwarz-weiß-Ästhetik
gewählt, die sich von den schrillen und bewegten Bildern des "Internetzirkus"
entfernt und den Besucher zu den Wurzeln der Zeichnung zurückführen
will. Die Entschleunigung als Chance für eine intensivere Wahrnehmung
spielt in Hacks neueren Arbeiten eine wichtige Rolle. Das Internetprojekt
will Vorreiter für eine Wende sein in einem Kontext, in dem z.Z.
alles der Beschleunigung huldigt. Künstler Hack: "Gute Kunst ist
immer zugleich Anreger für neue Ideen. Dieses Projekt versteht
sich als Ideenstimulator. Ich hoffe, es bringt viele Menschen
auf gute Ideen."
Bitte vormerken: Hacks nächste Aktion vor dem Bundeskanzleramt
zum Bündnis für Arbeit am 6. Juli 1999, vsl. 13 Uhr, "Kunst
des Teilens". Hack wird den Bündnisteilnehmern Brote in Form von
Autos überreichen.
Pressemitteilung, 20. April 1999
Neue Bilder von H. J. Hack in Japan ausgestellt
Deutsches Institut für Japanstudien in Tokyo zeigt Arbeiten zum
Thema Internet für Arme
Tokyo/Sankt Augustin. Seit heute zeigt das Deutsche Institut für
Japanstudien, Nissei Kojimachi Bldg, Chiyoda-Ku, in Tokyo eine Auswahl
neuer Arbeiten des Ultimedia-Künstlers Hermann Josef Hack parallel
zur Präsentation von dessen Internetwerk "Virtuelles Dach"
im Machida City Museum of Graphic Arts, Tokyo.
Es handelt sich um neuartige Bilder, die der Künstler auf Plastikplane
mit spezieller Siebdruckfarbe malt. Das wetterfeste Material hat Hack
zu Farbflächen zusammengefügt, so daß sie an die Struktur
von Internetseiten erinnern. Die Zitate von typischen Internet-Operationsanweisungen
wie "click here, home, enter" usw. machen die mit diversen
Symbolen angereicherten Bilder zu "Internetseiten für Arme,
die international verstanden werden, auch dort, wo kein Strom fließt,"
so Hack. Immer wiederkehrende Symbolfiguren wie Brotlaiber, die mal
zu Autos, mal zu Flugzeugen mutieren, stehen für das tägliche
Brot, für Inhalte, die sich mit Entschleunigung, Umverteilung und
der Frage nach der Sinntiefe von Internetangeboten auseinandersetzen.
Joachim Röhr, Initiator der Ausstellung in Tokyo: "Bei den
deutschen wie japanischen BesucherInnen stoßen die außergewöhnlichen
Bilder auf großes Interesse. Die gelungene Verbindung zwischen
HighTech-Thema Internet in Bezug auf Randgruppen und der traditionellen
Malerei als Medium spricht die japanischen Besucher besonders an."
Hacks Bilder werden bis August in Tokyo zu sehen sein, bevor sie dann
erstmals in Deutschland gezeigt werden.
Pressemitteilung, 15. April 1999
Künstler Hack gründet Europäisches Aktionsbündnis
für Neue Arbeit;
Präsentation im KUNSTMUSEUM Bonn am 15. April 1999
Am 6. April 1999 wurde im Alten Bonner Rathaus das Europäische
Aktionsbündnis für Neue Arbeit arbeit für
zukunft auf Initiative von Medienkünstler Hermann Josef
Hack gegründet. Der Verein hat seinen Sitz bewußt in Bonn,
der Bundesstadt mit internationalen Einrichtungen und europäischer
Ausrichtung, gewählt.
Zweck des als gemeinnütziger Verein konzipierten Zusammenschlusses
ist ein europäisches Aktionsbündnis aller Teile der Gesellschaft
zur Verbesserung der Arbeit der Zukunft. Insbesondere wird der Verein
unterstüzt von Künstlern, Wissenschaftlern, Politikern, Erwerbstätigen
und Erwerbslosen. Ziel ist es, dass sich nicht nur Erwerbslose, sondern
auch diejenigen, die erwerbstätig sind, Gedanken machen und sich
aktiv dafür einsetzen, dass eine gerechte und würdige, zukunftsfähige
Gestaltung und Verteilung der Arbeit erfolgt. Der Verein will vermitteln
zwischen denjenigen, die Auswege aus der Arbeitslosigkeit anbieten,
und denjenigen, die sie anwenden sollen, damit unsere Gesellschaft auf
dem Weg ins dritte Jahrtausend sich nicht spaltet, sondern damit die
Arbeit der Zukunft kreativ, menschenwürdig und gerecht wird.
Hermann Josef Hack, Vorsitzender des Aktionsbündnisses, auf der
ersten Pressekonferenz im KUNSTMUSEUM Bonn am 15. April 1999: "Sie werden
sich fragen, warum ich als Künstler ein Aktionsbündnis für
Neue Arbeit gegründet habe. Auch das KUNSTMUSEUM als Ort der ersten
Pressekonferenz mag zu diesem Thema eher ungewohnt erscheinen.
In meiner künstlerischen Arbeit der letzten Jahre habe ich allerdings
die Erfahrung gemacht, dass es zwar vor Ort Initiativen gibt, die Erwerbslose
betreuen, es aber keine unabhängige, überregionale und interdisziplinäre
Einrichtung gibt, welche die Interessen der Erwerbslosen bzw. derer,
die sich für neue Arbeitsformen der Zukunft engagieren, gegenüber
den großen Interessenverbänden der Wirtschaft, den Funktionären
und Politikern, vertritt.
Wenn es stimmt, dass in Kürze 20% der Gesellschaft ausreichen,
um das gesamte Bruttosozialprodukt zu erwirtschaften, stellt sich uns
allen die Frage, was 80% der Bevölkerung Sinnvolles und Würdiges
tun werden. Hier können Kunst und Kultur eine verantwortungsvolle
und spannende Aufgabe zurückgewinnen, die sie in der momentanen
Beliebigkeit zu verlieren drohen.
Durch das gemeinsam mit Dieter Kübbeler durchgeführte Kunstprojekt
ARME-SOCKEN-TEPPICH gelang es, die Aufmerksamkeit großer Teile
der Bevölkerung auf die eigentlichen Hauptpersonen zu lenken, die
"armen Socken", um die es bei den Bemühungen für eine zukunftsfähige
Arbeitsgestaltung gehen muss. Am Wahltag, dem 27.9.1998, wurde der ARME-SOCKEN-TEPPICH
vor Gerhard Schröder ausgerollt, am 7.12.1998 und am 25.2.1999
vor dem Bundeskanzleramt, um auf die Notwendigkeit hinzuweisen, dass
die Betroffenen an den Bündnis-Tisch gehören. Mit künstlerischen
Aktionen weckt man zwar das Interesse und die Einsicht in die Notwendigkeit
politischen Handelns (awareness), dies muss aber aufgenommen werden
von einem Aktionsbündnis, wie wir es Ostern gegründet haben.
Da es sich nicht um eine national begrenzte Aufgabe handelt, suchen
wir bewusst den Kontakt zu unseren europäischen Nachbarn. Hier
bestehen schon erste Anknüpfungspunkte.
Wichtig ist, dass es uns gelungen ist, viele Frauen zu gewinnen. Sie
sehen anhand der 80%-Quote im Vorstand, dass wir nicht nur über
Arbeit der Zukunft nachdenken, sondern die Hauptbetroffenen selbst aktivieren
wollen.
Dies gilt natürlich auch für die Zusammenarbeit von Erwerbstätigen
und Erwerbslosen an der Frage, wie muss die Arbeit der Zukunft beschaffen
sein. Natürlich sind wir nicht die ersten oder gar einzigen, die
sich mit der Frage befassen. Bisher liegt der Schwerpunkt allerdings
fast ausschließlich auf dem Gebiet der Forschung mit dem Ziel,
die ökonomischen Fragen zu klären, um ein Wirtschaften "wie
bisher" zu ermöglichen und denjenigen, die es zu Wohlstand gebracht
haben, diesen Wohlstand zu sichern. Fragen der Kultur, Würde, Lebensqualität
mussten bisher hinten anstehen bzw. kamen nicht vor.
arbeit für zukunft will auch und gerade diese Aspekte erforschen
und erproben. Dass dies ein hochgestecktes Ziel ist, ist uns bewußt.
Wir sehen einen weiten Weg und möchten alle dazu einladen, diesen
Weg mit uns zu gehen.
Konkret sind Aktionen im Juni geplant, wenn das Bündnis für
Arbeit wieder tagt, und zum G7-Gipfel in Köln. Für das nächste
Jahr bereiten wir eine große Aktion in Berlin vor, wenn die Regierung
dort angekommen ist. Die EXPO 2000 hat sich für unsere Arbeit interessiert.
Hearings zu speziellen Themen wie z.B. "Sozialauswahl bei Neueinstellungen"
sind in Vorbereitung. Für weitere Informationen stehen wir gerne
zur Verfügung."
Das Europäische Aktionsbündnis für Neue Arbeit arbeit
für zukunft ist zu erreichen:
Tel. 49-2248-1427 (Pressesprecher Dieter Kübbeler)
Tel. 49-2241-33 47 34 (Hermann Josef Hack)
Fax 49-2241-34 37 87
e-mail: hackhyper@aol.com
Postfach 170 332, D-53029 Bonn
arbeit für zukunft
Europäisches Aktionsbündnis für Neue Arbeit e.V. in Gründung
work for future
European Alliance for New Work
Postfach 170 332
D-53029 Bonn
Tel. 02248 1427 oder 02241 33 47 34
Fax 02241 34 37 87
Pressemitteilung, 9. April 1999
Künstler Hack gründet Europäisches Aktionsbündnis
für Neue Arbeit:
arbeit für zukunft stellt sich der Öffentlichkeit vor
Am 6. April 1999 wurde im Alten Bonner Rathaus das Europäische
Aktionsbündnis für Neue Arbeit arbeit für zukunft gegründet.
Zweck des als gemeinnütziger Verein konzipierten Zusammenschlusses
ist ein europäisches Aktionsbündnis aller Teile der Gesellschaft
zur Verbesserung der Arbeit der Zukunft. Insbesondere wird der Verein
unterstüzt von Künstlern, Intellektuellen, Wissenschaftlern,
Politikern und Erwerbslosen. Ziel ist es, dass sich nicht nur Erwerbslose,
sondern auch diejenigen, die erwerbstätig sind, Gedanken machen
und sich aktiv dafür einsetzen, dass eine gerechte und würdige,
zukunftsfähige Gestaltung und Verteilung der Arbeit erfolgt. Der
Verein will vermitteln zwischen denjenigen, die Auswege aus der Arbeitslosigkeit
anbieten, und denjenigen, die sie anwenden sollen, damit unsere Gesellschaft
auf dem Weg ins dritte Jahrtausend sich nicht spaltet, sondern damit
die Arbeit der Zukunft kreativ, menschenwürdig und gerecht wird.
Die Initiatoren, Hermann Josef Hack und Dieter Kübbeler, wollen
damit eine Lücke schließen. Einerseits zwischen den zahlreichen
regionalen Initiativen, die eine Vor-Ort-Arbeit leisten, sich aber nicht
um überregionale und politische Fragen kümmern können,
und den großen Interessenverbänden, Funktionären und
Politikern. Andererseits zwischen Erwerbslosen und Menschen, die nicht
unmittelbar von Arbeitslosigkeit betroffen sind.
Kübbeler gründete vor ca. sechs Jahren eine bundesweit operierende
Arbeitslosen-Selbsthilfeinitiative, die er bis vor kurzem leitete. Der
Ultimedia-Künstler Hack richtet einen Schwerpunkt seiner Kunst
auf die Interessen von Ausgegrenzten, indem er schon vor Jahren kostenfreie
Internetzugänge für Arme einrichtete (Virtual Roof - www.hack-roof.de).
Gemeinsam mit Kübbeler realisierte er die Aktion ARME-SOCKEN-TEPPICH,
zuletzt vor dem Bundeskanzleramt, um auf die Teilnahme von Erwerbslosen
am Bündnis für Arbeit hinzuweisen.
Erfreulicherweise beträgt der Frauenanteil im Vorstand 80%. Das
entspricht der Gewichtung, die arbeit für zukunft auf das Thema
Frauen und Arbeit legen wird: Zum Vorsitzenden wurde Hermann Josef Hack
(42) gewählt, als Stellvertreterinnen wurden gewählt Gerlinde
Breuer, Ökotrophologin, und Ulla Döhnert, Marketing-Referentin.
Die ersten Aktionen sind in den nächsten Monaten geplant, wenn
das Bündnis für Arbeit wieder zusammenkommt bzw. zum Europäischen
Gipfel in Köln. Hierüber wird die Öffentlichkeit in Kürze
informiert. Zu weiteren Informationen stehen wir gerne zur Verfügung.
8. März 1999
Pressemitteilung
Hack-Internetkunst in Tokyo ausgestellt
Machida City Museum of Graphic Arts zeigt Virtuelles Dach des deutschen
Medienkünstlers
Auf Einladung des japanischen Kurators You Minowa ist das Internetkunstprojekt
des Medienkünstlers Hermann Josef Hack, 42, aus Sankt Augustin
als einziges deutsches Medienkunstprojekt in einer online-Ausstellung
des Machida City Museum of Graphic Arts, Tokyo, ausgewählt worden.
Unter der Adresse http://plaza.bunka.go.jp/museum/kikaku/exhibition01/main-gallery4-e.html
gelangt man direkt auf die Seite, unter der Hacks Virtual Roof, in Deutschland
bekannt unter "Virtuelles Dach", präsentiert wird. Wem
diese Adresse zu lang ist, kann sich unter http://plaza.bunka.go.jp
durchsurfen.
Kürzlich hatte Hack in Deutschland mit seinem ARME-SOCKEN-TEPPICH
und Bildern zum Thema "Umverteilung", die er vor dem Bundeskanzleramt
ausgebreitet hatte, für Schlagzeilen gesorgt. Über den Erfolg
in Japan, wo er im April einige der neuen Bilder ausstellen wird, freut
sich der Künstler: "Mehr noch als in Deutschland interessiert
man sich im High-Tech-Land Japan für meine Kombination von neuesten
Medien und den Inhalten, die vom Einsatz für die Schwächsten
in der Gesellschaft geprägt sind. Dank der grenzenlosen Welt des
Internet finden meine neuesten Arbeiten nun auch in Ländern Zuspruch,
die über unseren Kulturkreis hinausgehen. Dies freut mich genauso,
wie wenn auch hierzulande das Angebot angenommen wird."
25. Februar 1999
HACK-tion: Arme-Socken und Kunst-gebung vor dem Kanzleramt
Als die Limousinen der Bündnisteilnehmer/innen heute ins Bundeskanzleramt
einrollten, wurden sie wieder mit dem Arme-Socken-Teppich empfangen.
Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, 42, hatte die von ca. 5.000
Arbeitslosen aus der gesamten Bundesrepublik als Symbol für ihr
persönliches Schicksal gespendeten und von ihm zu einem roten Teppich
der anderen Art vernetzten Socken bereits beim ersten Treffen des Bündnisses
ausgebreitet.

Zusätzlich war die Einfahrt mit Bildern ausgelegt, die "den
Boden für eine Umverteilung bereiten". Künstler Hack
hat spezielle Arbeiten aus Folie, die jedem Wetter trotzt und z.B. als
Lkw-Plane "auf der Straße zuhause ist", seit seiner
Beschäftigung mit dem Thema gefertigt. In ihrem Aufbau erinnern
sie an die Struktur von Internetseiten und bieten wie diese dem Betrachter
ein Menü von verschiedenen Einstiegspunkten zum Thema an. Begriffe
wie "Umverteilung", "new deal", "arm, krank,
reich, gesund" oder "Entschleunigung" bieten den Einstieg
in einen Dialog mit dem Betrachter auf der Straße.
So war es für die wartenden Journalisten, Schulklassen und die
erwarteten Gesprächsteilnehmer/innen ein völlig neues Bild,
vor dem Kanzleramt einen Bilderteppich vorzufinden. Bundesgesundheitsministerin
Fischer (B 90/Grüne) flanierte interessiert an diesem Bilderteppich
vorbei, während die Funktionäre eilig ihre Fahrt fortsetzten.
Als erste Station werden einige Arbeiten des Bilderteppichs demnächst
in Tokyo zu sehen sein. Dort interessiert man sich für Hacks Kombination
von Internetoberfläche und sozialpolitischem Inhalt, die der Medienkünstler
bei seinen Aktionen in Beuys'scher Tradition einsetzt.
Für Dieter Kübbeler, seit fast sechs Jahren arbeitslos und
Gründer einer bundesweiten Arbeitslosen-Selbsthilfeorganisation,
war die Aktion "wieder ein großer Erfolg für die Erwerbslosen.
Die Bilder berühren einen sensiblen Bereich. Es gelingt ihnen auszudrücken,
um was es uns geht, ohne plumpe Propaganda und doch sehr wirkungsvoll."
7. Dezember 1998
Bündnis für Arbeit:
Arme Socken wollen an den runden Tisch
Hack-Kunstaktion mit Ai 2000 am 7. Dezember vor dem Bundeskanzleramt
in Bonn
Als sich am 7. Dezember das Bündnis für Arbeit beim Bundeskanzler
konstituierte, fehlten diejenigen auf der Teilnehmerliste, über
deren Schicksal sich Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politiker Gedanken
machen wollten. Obwohl die neue Regierung in ihrer Koalitionsvereinbarung
ausdrücklich festgeschrieben hat, daß sie alle gesellschaftlichen
Gruppen an diesem Bündnis beteiligen will, gilt für die über
4 Millionen Arbeitslose immer noch: "Wir müssen leider draußen
bleiben!"
Um auf diesen Zustand in konstruktiver Weise aufmerksam zu machen,
legte der Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, 42, vor den Augen
der zahlreichen Journalisten in der Einfahrt zum Bundeskanzleramt einen
Teil seines ARME-SOCKEN-TEPPICHs aus. Der 20 Meter lange Läufer
war aus Socken von Hack gefertigt, die er von tausenden Arbeitslosen
bzw. deren Freunde aus ganz Deutschland erhalten hatte. Diese repräsentierten
auf stumme und eindrucksame Art, daß es um die vielen Ausgegrenzten
geht, die sich nicht gerne in die Öffentlichkeit trauen, so lange
sie von ihren Mitmenschen stigmatisiert werden.
Die Arbeitsloseninitive (Ai) 2000, seit fünf Jahren bundesweite
Selbsthilfeorganisation der Erwerbslosen, hatte ihre Mitarbeit am Bündnis
zwar angeboten, wurde aber nicht eingeladen. Dieter Kübbeler, Vorsitzender
der Ai 2000 und seit über fünf Jahren selbst arbeitslos: "Die
in die neue Regierung gesetzten Hoffnungen vieler Erwerbsloser sinken
dahin, wenn sich diejenigen, die Arbeit verteilen, mit denjenigen, die
ihre Arbeitsplätze verteidigen, exklusiv über die Zukunft
der Arbeit in Deutschland unterhalten. Wir erwarten endlich mehr Öffnung
für alle Betroffenen, besonders für die Arbeitslosen selbst.
Schließlich wissen wir am besten, was den Erwerbslosen wirklich
hilft."
Bedenkt man, daß insgesamt etwa ein Viertel der Bevölkerung
mittelbar oder unmittelbar von Arbeitslosigkeit betroffen ist, sollte
nach Meinung der Ai 2000 diese Gruppe im Bündnis repräsentiert
werden, wenn man nicht die Fehler der alten Regierung wiederholen will.
Um den Veranstaltern ihr Angebot zur Mithilfe deutlich zu machen, wählten
die Arbeitslosen Hacks ARME-SOCKEN-TEPPICH, auf dem Gerhard Schröder
am 27. September zur Wahl geleitet wurde. Die Kunstaktion konnte dann
auch Hoffnung und eine friedliche und kooperative Gesprächsbereitschaft
zum Ausdruck bringen, wo Worte und Appelle an die Veranstalter bisher
nicht weitergekommen sind.
Hack wird gemeinsam mit der Ai 2000 e.V. weiter daran arbeiten, daß
nicht nur über die Arbeitslosen und Ausgegrenzten geredet
wird, sondern daß mit Ihnen über die Verbesserung
ihrer Lage gesprochen und vor allem gehandelt wird.
Fotos: dpa
In Zusammenarbeit mit der Arbeitslosen-Initiative 2000 e.V. Siegburg
Tel. 02241/59 08 88, Fax 02241/59 07 77
Presseinformation
Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack und Ai 2000 geleiteten
Gerhard Schröder auf ARME-SOCKEN-TEPPICH zur Wahl
Hannover. Am 27. September 1998, kurz nach 10:30 Uhr, empfingen
der Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, Dieter Kübbeler,
Geschäftsführer, und Gert Novatscheck, Pressesprecher der
Arbeitslosen-Initiative (Ai) 2000 den Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder
in Begleitung seiner Frau Doris auf der Arnswaldtstraße vor dem
Wahllokal in Hannover. Auf dem Boden hatte Hack den ARME-SOCKEN-TEPPICH
ausgebreitet, ein Netzwerk, welches aus einigen Tausend abgelegter Socken
von Arbeitslosen aus der gesamten Bundesrepublik stammt. Mehrere Initiativen
waren dem Aufruf Hacks und der Ai 2000 gefolgt und hatten sich von ihrer
Fußbekleidung getrennt, um so auf die vielen Einzelschicksale
aufmerksam zu machen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind.
Der Teppich sollte als Hoffnungsträger dem neuen Bundeskanzler
auf dessen Weg zur Wahlurne vor Augen führen, welche Erwartungen
vor ihm liegen. Hack zu Gerhard Schröder: "Herr Ministerpräsident,
vor Ihnen liegt ein Teppich, der von etwa 600 Arbeitslosen-Initiativen
stammt. Als Hoffnungsträger soll er Sie an diesem für Ihre
politische Karriere sicher wichtigsten Tag an die vielen Arbeitslosen
erinnern. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!"
Gerhard Schröder erwiderte: "Das ist eine gute Arbeit, die Sie
da machen, dieses Thema wird das wichtigste für die nächsten
vier Jahre."
Über einen ca. 20 Meter langen ARME-SOCKEN-TEPPICH schritt Schröder
in Begleitung einer über 50-köpfigen Fotografenschar dann
ins Wahllokal und kehrte, entgegen der ursprünglichen Planung,
das Gebäude durch den Hinterausgang zu verlassen, auch über
den Teppich wieder zurück, wo er sich von seiner Frau neben dem
Künstler Hack und den Arbeitslosen mit einer Kleinbildkamera fotografieren
ließ.
Fotomaterial ist bei allen großen Presseagenturen verfügbar,
kann aber auch bei uns erfragt werden.
Fotos:
dpa
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