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Hack-Performance leitete die Agrarwende ein

Für einen Tag wurde der Hauptstadtboden zum Acker - gepflügte Hauptstadterde verschenkt Hack an MdBs für ihre Büropflanzen im Reichstag

Am Montag, dem 10. September 2001, ließ der Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, 45, auf dem Breitscheidplatz im Herzen von Berlin im Rahmen einer Performance mit dem Titel "Auf-Bruch" symbolisch den Hauptstadtboden von einem Traktor umpflügen.


Bundesagrarministerin Renate Künast (r) bringt am Montag (10.09.2001) in Berlin einen Eimer mit Saatgut aus biologischem Anbau zum Aktionskünstler Hermann Josef Hack. In seiner Aktion "Auf-Bruch" hatte er zuvor den Platz in der City gepflügt, um den Boden für neue Ideen urbar zu machen.

Vor der Kulisse der Gedächtniskirche im Zentrum der Metropole setzte Hack bildlich um, dass neuer Boden für neue Ideen urbar gemacht werden muss. Das Festgefahrene, Starre muss erst aufgelockert werden, damit dort Raum für Neues entsteht.

Hack überreichte der Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft Renate Künast vor Ort symbolisch diese umgepflügte Erde. Mit Unterstützung einer Schulklasse säte Renate Künast den Ku'damm-Acker ein und startete anschließend einen bundesweiten Wettbewerb für Modellregionen (www.modellregionen.de).


Bundesverbraucherministerin Renate Künast und Aktionskünstler Hermann Josef Hack starten den Wettbewerb "Regionen Aktiv".

Die gepflügte Hauptstadterde verschenkt der Künstler an die Abgeordneten im Reichstag, "damit sie ihre Büropflanzen abhärten und sich etwas frische Landluft in die gute Stube holen," so Hack mit einem Augenzwinkern in Richtung Pflanztrog seines Kollegen. Zu bestellen ist die Blumenerde bei hackhyper@aol.com.

September 2001
Hack-Kunstprojekt zur ART Cologne: "Du bist Köln"
Eine Colonia-lisierung durch Straßennamen

www.dubistkoeln.de

ART Cologne, Köln Messe, Halle 3.1, Ruhezone Gang G

Köln/Sankt Augustin. Was wäre, wenn die Schildergasse in Köln plötzlich Ihren Namen trüge? Wie würde der Stadtplan aussehen, wenn sämtliche Straßennamen heute neu vergeben werden könnten?

Der Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, bekannt geworden durch den ARME-SOCKEN-TEPPICH und das virtuelle Hochhaus des Volkes über dem Reichstag www.metropolis.de/tower-of-power, macht es möglich: Zur diesjährigen ART Cologne wird Hack den Straßen im Kölner Zentrum neue Namen geben lassen. Jeder kann kostenlos eine Straße mit seinem Namen versehen.

Die Aktion wird am 30. Oktober auf der ART Cologne in den Kölner Messehallen gestartet und wird dann im Internet unter www.dubistkoeln.de einfach zu handhaben sein. Anhand eines Stadtplans wählt man eine noch freie Straße und gibt ihr den gewünschten Namen. Den neuen Stadtplan kann man sich anschließend ausdrucken.

Hack, der bereits zur ART Cologne 1995 mit seinem Virtuellen Dach und seinen Führungen für Obdachlose durch die Kunstmesse Aufsehen erregte, will mit diesem Projekt mehrere Wirkungen erzielen: "Zum einen möchte ich den "kleinen" Leuten einmal die Gelegenheit geben, ihren Namen berühmt zu machen, zum anderen soll mein Projekt dazu beitragen, dass man sich über Herkunft und Bedeutung der Original-Straßennamen mehr Gedanken macht."

Das unkonventionelle Kunstprojekt wird auf der ART am Stand des Verlags Schuffelen in Halle 3.1, Ruhezone Gang G, vertreten sein und entsteht in Kooperation mit der Firma gekko Gesellschaft für Kooperation und Kommunikation, Sankt Augustin.

September 2001

Medieninformation und Einladung zur Performance von Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack mit der Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft Renate Künast am Montag, 10. September 2001, von 13 bis 14 Uhr, Berlin, Breitscheidplatz

Auf-Bruch Künstler Hack pflügt Hauptstadtboden um

Am Montag, dem 10. September 2001, in der Zeit von 13 bis 14 Uhr, wird der Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, 45, auf dem Breitscheidplatz im Herzen von Berlin eine Performance mit dem Titel "Auf-Bruch" durchführen.

Vor der Kulisse der Gedächtniskirche im Zentrum der Metropole wird Hack ein Stück Hauptstadtboden umpflügen lassen. Der Künstler will mit diesem Bild darauf hinweisen, dass neuer Boden für neue Ideen urbar gemacht werden muss. Das Festgefahrene, Starre muss erst aufgelockert werden, damit dort Raum für Neues entsteht.

Hack wird der Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft Renate Künast vor Ort symbolisch diese umgepflügte Erde übergeben. Renate Künast wird anschließend einen Wettbewerb für Modellregionen starten.

Juni 2000
EXPO 2000: Natur, Technik, wo bleibt der Mensch? Künstler Hack führt Obdachlose und Erwerbslose durch die Weltausstellung

Das Aktionsbündnis des Ultimedia-Künstlers Hermann Josef Hack "arbeit für zukunft" e.V. hat die Generalkommissarin für die Weltausstellung Birgit Breuel in einem schriftlichen Appell daran erinnert, das bei allem Stolz und aller Zuversicht diejenigen aus unserer Mitte nicht vergessen werden dürfen, die aufgrund ihrer sozialen Benachteiligung ausgegrenzt werden.

Als Symbol für die nicht nur in der sogen. Dritten Welt, sondern auch im Gastgeberland der EXPO 2000 zunehmenden Millionen von Erwerbslosen, Obdachlosen, Armen und Schwachen hatte "arbeit für zukunft" angeboten, wenigstens den ARME-SOCKEN-TEPPICH am Eröffnungstag der Weltausstellung auszubreiten, um den Betroffenen ein Zeichen der Solidarität zu übermitteln.

Bisher hatte Hack gemeinsam mit dem Aktionsbündnis den Läufer aus den Strümpfen tausender Erwerbsloser vor den Spitzengesprächen zum Bündnis für Arbeit als friedliches und freundliches Zeichen ausgerollt. Auch Bundeskanzlerkandidat Gerhard Schröder war vor zweieinhalb Jahren auf diesem "roten Teppich der besonderen Art" zur Wahlurne geschritten.

Das Angebot wurde allerdings abgelehnt, so dass für die EXPO gilt: Ausgegrenzte sind hier unerwünscht. Auch für die in Hannover lebenden Obdachlosen, mit denen Hack bereits auf der CeBIT 1997 erste kostenlose Internetzugänge für Menschen ohne festen Wohnsitz eingerichtet hatte und demonstrativ Führungen durch die Messehallen durchführte, besteht keine Aussicht auf Teilhabe an den Segnungen der Weltausstellung. Für sie wie für die übrigen "armen Socken" heißt es am Eingang der Leistungsschau mit der Überschrift "Mensch, Natur, Technik": Ihr müsst leider draussen bleiben.

Damit dies nicht so bleibt, wird der Künstler Hack gemeinsam mit "arbeit für zukunft" eine kostenlose Führung Erwerbsloser und Obdachloser durch die EXPO 2000 unternehmen. Bei dieser Gelegenheit sollen die Menschen zu Wort kommen und ihre Eindrücke schildern, die ansonsten immer außen vor bleiben. Als Termin ist der Samstag, 8.7.2000, avisiert. Der genaue Zeitpunkt der Führung mit Pressekonferenz wird noch bekanntgegeben.

März 2000
Am 30.3.2000, 19.30h, live-online-Performance im Stadtmuseum Siegburg anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Ultimedia" bis 30.4.2000.

März 2000
"Kunst des Teilens"
Notizen zu den Projekten von Hermann Josef Hack

von Jürgen Raap

Mit seinen aktuellen Bildern knüpft Hermann Josef Hack an eine Malaktion an, die er 1998 im Bonner Kunstmuseum vor Publikum durchführte: LKW-Planen und PVC-Folien dienten ihm als Malgrund für Motive mit Menschen, die Parabolantennen auf den Köpfen haben. Auch die 1999/2000 entstandenen Arbeiten stellen eine großflächig angelegte Malerei auf Plastikplanen dar, und sie sind zum Teil ebenfalls Ergebnisse von Aktionen - Hack hat sie auf der Straße gemalt.

Sie greifen die Struktur des Internet-Browsers auf, aber nicht nur wegen ihres aktionistischen Charakters sollten sie keinesfalls als Rückübersetzung des Medienbildes in das klassische Tafelbild missverstanden werden, oder gar als Mimisis des PC-Bildschirms. Denn oft kombiniert Hack auch eine Malaktion mit gleichzeitiger Online-Kommunikation; und mit einer deutlichen Selbstironie bezeichnet er sich als "Ultimedia"-Künstler, der zu den benutzten Medien und Disziplinen die nötige kritische Distanz hat, und der sie dann in einem konkreten Projekt so miteinander kombiniert, dass sie sich gegenseitig ergänzen, manchmal auch gegenseitig bedingen.

Die kompositorische Aufteilung des Bildgrundes in einzelne farblich unterschiedliche Flächen bedeutet eine Analogie zu den Möglichkeiten, beim PC auf der Oberfläche eines Datei- oder Website-Bildes Ein- und Überblendungen vorzunehmen bzw. zwei Sites nebeneinander zu stellen.

Und wie im oberen Balken des PC-Bildes, so tauchen auch in den Hack'schen Malerei-Bildern mitunter Internet-Adressen auf: "www.deacceleration.now" oder "http://internet.fuer.arme.org/index". Manche spielen auf die Titel von Hacks Projekten an. Durchweg wirken sie wie Slogans. Ihre Eindringlichkeit ergibt sich aus der Kürze und der plakativen Einfügung in das Bildgeflecht, und ihre poetisch-lyrische Dimension ist als eine Text-Bild-Beziehung zu charakterisieren, wie sie in vergleichbarer Weise vor 30-40 Jahren auch die "Konkrete Poesie" ausgedrückt hatte. Man könnte diese Textbeigaben als "Online-Poesie" bezeichnen.

Andere Bilder aus dieser Serie enthalten neben figurativen Motiven die Tastenbezeichnungen "escape", "enter" oder "quit". Es sind Chiffren für "Zugang" und "Verlassen" bzw. "Beenden", die hier eine mehrfache Bedeutung haben: Über eine konkrete Anspielung auf die Tastenbefehle bei der PC-Bedienung hinaus sind sie "Schlüsselbegriffe" in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht. Denn neben den eigentlichen figurativen Bildmotiven manifestieren nämlich gerade diese Textbeifügungen die Inhalte und Absichten der Malerei und der Projekte: Demokratische Teilhabe aller an den Ressourcen und Möglichkeiten einer Gesellschaft. Teilen, Mitteilen, Austauschen, Einbeziehen...

Die Planen als Malgründe sind wetterfest, und somit können diese Bilder prinzipiell überall präsentiert werden, vor allem auch an Orten, an denen Kunst sonst nie stattfindet - kostenlos und für alle. Was Hack ins Internet stellt, wird ebenfalls verschenkt.

Das ist mehr als nur eine symbolische Geste - auch die künstlerische Aufteilung des Himmels führt durchaus zu praktischen Konsequenzen. Als Hack 1997 den Himmel über diversen Städten (Bonn, Kassel, Hannover) parzellierte und diese Parzellen als "virtuelles Dach" zum Verkauf anbot, konnten nämlich auf diese Weise Teilnehmer miteinander in Kontakt treten, die sich sonst wahrscheinlich nie kennengelernt hätten - immer geht es um eine konkrete Kommunikation, um eine soziale Komponente.

"Kunst des Teilens" heißt es auf einem der Bilder - und nach dem, was eben skizziert wurde, versteht man, wieso gerade dieser Slogan einen programmatischen Charakter für Hacks bisheriges Gesamtwerk hat. Unter diesem Schriftzug sieht man im linken Bildteil drei Fahrzeuge in Form von Brotlaiben. Im rechten Bildteil reicht eine weiße Umriss-Figur einen solchen "Brotwagen" einer ausgestreckten Hand entgegen.

Der "Plot" dieser von links nach rechts zu lesenden Bild-Erzählung ist in gewisser Weise eine zeitgemäße Variante der Legende des Hl. Martin von Tours, der zwar nicht das Brot, wohl aber seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Die mythische Bedeutung, die das Brechen und Teilen des Brotes hat, ist jedem geläufig. In manchen Kulturräumen werden Salz und Brot zur Begrüßung gereicht, sie stehen gestisch-symbolisch für eine Gastfreundschaft, die dem Gast bis zu einem gewissen Grade eine Verfügungsgewalt über das Eigentum des Gastgebers einräumt.

Hacks Malaktionen transportieren die Frage einer allgemeinen "sozialen" Verfügbarkeit über Bilder schlechthin und über Informationen. Allein der Umstand, dass die Erzeugung und Verbreitung virtueller Bilder nicht apparateunabhängig erfolgen kann und dass die Vermittlung von Kulturwerten (über Bilder und anderweitig) gemeinhin an Institutionen gebunden ist, bedeutet eine Möglichkeit zur Kanalisierung des Bilderflusses, zur Lenkung und auch zur Ausgrenzung.

Dass Millionen von Menschen, die des Englischen und des lateinischen Alphabets nicht mächtig sind, aus dem globalen Medium "Internet" ausgegrenzt bleiben, ist dabei nur ein Aspekt von mehreren. Erst recht bleiben jene von dieser zeitgemäßen Form der sozialen Kommunikation ausgegrenzt, die noch nicht einmal ein Zweimark-Stück für die neuen öffentlichen Nobel-Toiletten im Kölner Hauptbahnhof haben, geschweige denn Geld für den Besuch eines Internet-Cafés, gar für die Anschaffung eines PCs oder Laptops. Mithin ist die einst von Hilmar Hoffmann geprägte sozialdemokratische Formel "Kunst für alle" heute um die Forderung "Internet für alle" zu ergänzen. In Hacks Projekten wird in zeitgemäßer Weise die Beuys'sche Idee der "sozialen Plastik" weitergedacht.

Eine Aufbrechung der institutionellen Abschottungen bei der Kunstvermittlung scheint allerdings nicht so ohne weiteres möglich zu sein. Hack hatte Obdachlosen angeboten, sie kostenlos über die Kasseler "documenta" und über die Kunstmesse "Art Cologne" zu führen - dort brach er die Aktion jedoch bald ab, da sich einige Galeristen so arrogant verhalten hätten, dass den Obdachlosen eine Konfrontation mit solch einer Situation nicht weiter zuzumuten gewesen sei.

Als S.D. Sauerbier in den siebziger Jahren die Formel "Kunst als sozialer Prozess" prägte, gab es noch kein Internet, dass jedem die Möglichkeit geboten hätte, Kunst "ins Netz" zu stellen und dann jedem Interessenten die Möglichkeit, am Bildschirm seines PC Kunst zu betrachten.

Seit den achtziger Jahren hat in zunehmendem Maße die Kommerzialisierung des "Betriebssystems Kunst" den exklusiven und elitären Charakter des Kunstmarkts verstärkt. Dabei sind die tradierten bildungsbürgerlichen Kulturwerte um unternehmensstrategische "Imagewerte" ergänzt worden. Kunst im Internet mindert jedoch nicht die Schwellenängste gegenüber den Real-Galerien. Und die repräsentativen Momente "hochkultureller" Bedeutsamkeit, ebenso der Nimbus materieller Kostbarkeit, werden beim Kunstwerk in privaten oder öffentlichen Sammlungen auch nicht gemindert, wenn man dieses Werk im Internet betrachten kann.

Eine Internet-Dokumentation solcher Museums- und Sammlungsobjekte ergänzt mithin lediglich den herkömmlichen gedruckten Katalog, aber sie demokratisiert den Kunstbetrieb nicht wirklich. Davon zu unterscheiden sind aber Internet-Projekte von Künstlern, in medienadäquater Weise ihre Arbeit bzw. ihr Anliegen kommunizierbar zu machen. Dazu bedarf es einmal einer entsprechenden Bildästhetik und zum anderen einer Umgangsform, die eben nicht ehrfurchtsvolles Betrachten einfordert, sondern eine Interaktion ermöglicht: Bei der Vernissage seiner Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg (März 2000) bietet Josef Hack z.B. "Menschen im Netz" an, sich an der Entstehung eines Bildes zu beteiligen.

Das Internet soll jedem den Zugang zu einer globalen elektronischen Kommunikation ermöglichen. Doch sehr rasch haben die Konzerne die basisdemokratischen, gar anarchischen Wurzeln der Frühzeit gekappt und auch dieses Medium zu einem Herrschaftsinstrument umfunktioniert. Josef Hack attestiert ihm feudal-barocke Formen, und tatsächlich hat es in unserer aktuellen Zeitlage, die den immer schneller werdenden Umschlag einer Überfülle an Informationen fetischisiert, der Vokabel "Wissen ist Macht" eine neue Bedeutung verliehen. Die Suchmaschinen-Fürsten sind die grauen Eminenzen der postmodernen Wissensgesellschaft.

Beim "Telebanking" wird jetzt schon der nächste Schritt in der Medienentwicklung und der sozialen Kommunikation vorexerziert. Eine individuelle und persönliche Kundenberatung im realen Service-Raum erfahren bei manchen Banken nur noch die Großanleger; der lästige Kleinsparer hingegen wird an den Geldautomaten oder an die Online-Angebote verwiesen. Das entspricht dem Prinzip des barocken Schlosses, wo einst die "kleinen" Bittsteller nur bis ins Antichambre, das Vorzimmer, vorgelassen wurden, während die erlauchteren Kreise Zugang zum Chambre des Herrschers hatten.

Die aus einer ständischen Gesellschaft bekannten Mechanismen der sozialen Differenzierung und Hierarchisierung wirken ähnlich in einer modernen Massengesellschaft, und natürlich auch in der postmodernen Cyber-Welt. Strukturelle "Entpersönlichung" der Kommunikation im Sinne einer Aufhebung des Direktkontakts und sensuelle Entkörperlichung des Mediums bilden dabei eine eigenartige Korrelation.

In der Kunst kann jedoch exemplarisch vorgeführt werden, wie sich diese Medien kreativer und (inter)aktiver nutzen ließen, als man dies beim Kommerz-TV mit gelegentlichen schein-demokratischen TED-Abstimmungen tut oder in den virtuellen Chat-Rooms. Ein "richtiges Gespräch", wie es Hans-Georg Gadamer als "verantwortungsvolle Aufgabe für die Philosophie" einfordert, wird in den TV-Talk-Shows nicht geführt. Zu diesen Tendenzen stellen die diversen Hack-Projekte notwendige konzeptuelle Gegenentwürfe dar. Bereits bei der Kasseler "documenta" 1992 trat er mit einem eigenen interaktiven TV-Programm auf ("Van Gogh TV- piazza virtuale"). 1994 hatte Hack im Stadtmuseum Siegburg eine bis dato weltweit einmalige Bildtelefonverbindung zwischen Forschern am Nordpol, am Südpol und den Museumsbesuchern hergestellt.

Vor gut 30 Jahren, als die Satellitenübertragung noch in den Kinderschuhen steckte, skizzierte der kanadische Medienwissenschafter Herbert Marshall Mc Luhan seine Vision über "Krieg und Frieden im globalen Dorf". Seine Prognose, je mehr wir übereinander wüßten (vor allem durch gegenseitige militärisch-nachrichtendienstliche Aufklärung per Satellit), desto sicherer und friedlicher würde die Welt sein, hat sich leider nicht bewahrheitet. In seiner derzeitigen und gängigen Struktur erlaubt auch das Internet keine grundsätzliche Aufbrechung der Wissensmonopole.

Aus den ästhetischen Aspekten der Malerei-Serie ist natürlich auch die Tatsache ablesbar, dass jemand, der sich wie Josef Hack als "Medienkünstler" einen Namen gemacht hat, weiterhin Fragen nach der Stofflichkeit und nach der Materialität von Malerei nachgeht. Darin liegt freilich kein künstlerischer Selbstzweck, denn Hacks Projekte thematisieren -wie oben schon angedeutet - immer Fragen nach den Bedingungen der (gesellschaftlichen) Produktion von Bildern und ihrer anschließenden Verbreitung.

Der hyper-ästhetischen Buntheit der Medienbilder setzt Hack bewusst einfache Zeichnungen entgegen - seine Figuren haben durchweg nur markante, schwarze oder weisse Umrisse, manchmal an eine archaische Expressivität erinnernd, manchmal an Comic strips. In einem "post-alphabetischen Zeitalter" (McLuhan) ist das wohl eine absolut adäquate Form der Darstellung und Vermittlung.

Hacks Stilistik bzw. Formensprache richtet sich gegen jene Ästhetik des Ornamentalen, mit der man auf den Internet-Seiten die barocken Banderolen zu "Laufwürsten" für Werbebänder umzuformen pflegt. Jene Hierarchie, die vorgibt, wie man von der Startseite zu den einzelnen Links gelangt, macht die jeweilige Web-Site zu einem elektronischen Altar, der wie seine Vorläufer in den Barock-Kirchen eine Ordnung mit universellem Anspruch widerspiegelt. Auch im virtuellen Raum ist der Wert einer Information daran zu messen, inwieweit sie Heilsbotschaft sein kann. Hacks Aufruf zu einem "Global Brainstorming" ist indessen anti-hierarchisch konzipiert - und anti-monopolistisch.

Bei einem rein technologischen Umgang mit bestimmten Medien wird eine emotionale Komponente häufig vernachlässigt. Hieran knüpfte die Aktion "Charles Lindberghs Last Dream" (1997) an: Hack schuf in Los Angeles auf einer Computermesse Bilder, die via Internet in die Bonner Bundeskunsthalle übertragen und dort ausgedruckt wurden. Per Videokonferenz konnte das Bonner Publikum den Entstehungsprozess live miterleben und sich die Ausdrucke anschauen, "bevor in Los Angeles die Farbe trocken war". Es interessiere ihn, ob "die Seele nachkommt, wenn meine Bilder schneller als jedes Transportmittel den Kulturkreis wechseln", hatte Hack zu dieser Aktion angemerkt.

Dem folgte 1999 ein Modell der "Entschleunigung" - wer www.hack-i.de. anklickt, muss sich bei der interaktiven Mitgestaltung einer Bildesequenz auf einen bewusst langsamen Bildaufbau einlassen. Die produktive oder unproduktive Nutzung der Zeit ist keine Frage der Ökonomie, sondern der Wahrnehmungs- und Erlebnisintensität.

Hierbei wird der Nutzer zum Mitgestalter des Kunstwerks - die Rolle zwischen Produzent und Rezipient wird nicht völlig aufgebrochen, aber relativiert. Andere Projekte haben mit gemeinschaftlich entstandenen Kunstwerken zu tun. Ergebnis einer Interaktion mit Arbeitslosen-Initiativen war z.B. der "Arme Socken-Teppich", der anläßlich der Gespräche über ein "Bündnis für Arbeit" 1999 vor dem Bundeskanzleramt ausgelegt wurde. Auf diese Aktion folgt im Sommer 2000 ein Projekt "Boden-Haftung" vor dem Berliner Reichstag. Jeder kann dort seine alten Schuhe abstellen, und die Politiker werden aufgefordert, sich einmal in die Schuhe der "kleinen, einfachen Leute" und damit "auf den Boden der Tatsachen" zu stellen - denn wer allzu lange in die Rituale von Sitzungen, Banketten und Empfängen eingebunden ist, erlebt mit der Entfernung von der "Basis" und vom Alltag irgendwann einen Realitätsverlust.

März 2000
Pressemitteilung und Einladung
Hack, Ultimedia: Socken oder Satelliten?

Das Stadtmuseum Siegburg zeigt erstmals Bilder und eröffnet mit einer online-Performance des Ultimedia-Künstlers am 30. März um 19.30 Uhr
Pressekonferenz am 29. März, 14 Uhr

Man kennt seine Aktionen für und mit Erwerbslosen aus der Tagesschau oder dem heute journal, sein "Virtuelles Dach" eröffnete neue Internetzugänge für Menschen ohne festen Wohnsitz. Ab dem 30.3.2000 sind seine im letzten Jahr auf der Strasse entstandenen Bilder im Stadtmuseum Siegburg zu sehen. Warum zeigt der "Ultimedia"-Künstler Hermann Josef Hack seine neuen Bilder ausgerechnet in der Kreisstadt und nicht in Berlin? Hack dazu vor Medienvertretern in Bonn: "Ich arbeitete gerade daran, den ARME-SOCKEN-TEPPICH in den Berliner Reichstag zu den Politikern zu bringen, dort gehört er dauerhaft hin; mit der Ausstellung meiner Arbeiten in Siegburg will ich deutlich machen, dass man heutzutage dank der neuen Medien überall Einfluss nehmen kann. Ich will bewusst einen Gegenpunkt zur Monopolisierung und zum Zentralismus setzen, der leider auch vom Kunstbetrieb unterstützt wird.

Statt auf die Big Boom Town Berlin setzt Hack vielmehr auf die Kraft medialer Netzwerke. Ab heute arbeitet er mit Deutschlands grösster Internet-Gemeinde www.metropolis.de zusammen, die mehr als 650.000 feste Mitglieder zählt.

So wird die Eröffnung seiner Ausstellung nicht nur den anwesenden Gästen direkte Zugänge und Beteiligungsmöglichkeiten bieten, wie es bei all seinen Projekten üblich war, sondern auch die Internet-Gemeinde ist eingeladen, sich bei der Entstehung eines von Hack mit Pinsel und Farbe gemalten Bildes einzubringen.

Das Material, das Hack als Bildträger benutzt, ist so unüblich wie sein Zugang zu den neuen Medien: wetterfeste Plastikplane, aus der Lkw-Abdeckungen und Bierzelte gemacht werden. Der Mann, der Anfang der Neunziger Jahre als Pionier mit interaktivem Fernsehen (documenta IX, Van Gogh TV) oder der ersten Bildtelefonverbindung zwischen Nordpol, Südpol und der Öffentlichkeit ("Polarnacht", Siegburg) neues Terrain in der Kunst eroberte, machte als erster auf die Notwendigkeit medialer Zugänge auch für Ausgegrenzte aufmerksam und entwickelte ein neuartiges System, mit seiner Kunst eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.

Die Ausstellung in Siegburg ist eine wichtige Standortbestimmung nicht nur seiner Kunst, sondern wirft allgemein die Frage auf, wie Kunst und soziale Verantwortung in der Informationsgesellschaft aussehen müssen. Hacks Antwort wird in Siegburg deutlich: Socken und Satelliten!

Es erscheint ein Katalog von Andreas Pohlmann mit einer Einführung von Jürgen Raap, der nicht nur die gezeigten Arbeiten wiedergibt, sondern weitere Einblicke in das Schaffen des "Ultimedia"-Künstlers möglich macht.

März 2000
Pressemitteilung und Einladung

Ultimedia Ausstellung mit online-Eröffnung von Hermann Josef Hack
im Stadtmuseum Siegburg am Donnerstag, 30. März 2000, 19.30 Uhr

Der "Ultimedia"-Künstler Hermann Josef Hack wird seine Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg mit einer multimedialen Performance am 30. März unter Beteiligung des Publikums im Museum und im Internet eröffnen.

Seit Anfang der Neunziger Jahre machte Hack durch unkonventionelle Projekte mit neuen Medien vor allem überregional auf sich aufmerksam. Zu einer Zeit, als noch kaum jemand den Begriff Internet kannte, verband der Künstler mit städtischem Atelier in der Kreisstadt Menschen an schwer zugänglichen Orten mit der breiten Öffentlichkeit per Satelliten und neuen Kommunikationstechniken. Mit Van Gogh TV - piazza virtuale - betrat Hack auf der documenta IX 1992 in Kassel absolutes Neuland für die Medienkunst. Das weltweit erste interaktive Fernsehprogramm gestaltete er mit eigenen Sendungen, die international empfangen wurden. Die "Polarnacht" am 30.7.1994 dürfte nicht nur den meisten Siegburgern, sondern auch vielen Menschen aus der Kunst- und Medienszene in guter Erinnerung geblieben sein: Als Weltpremiere realisierte Hack die erste Bildtelefonverbindung von Forschern am Südpol mit Forschern am Nordpol und den MuseumsbesucherInnen in Siegburg. Mit dem Virtuellen Dach - www.hack-roof.de - , welches beim internationalen Prix Ars Electronica '97 in der Internetkathegorie gewann - zeigte sich Hack erneut als Pionier im Internet. Er forderte und realisierte kostenfreie Internetzugänge für Obdachlose u.a. in Hannover zur CeBIT, als Künstler der Ausstellung "Ich, Phoenix" im Gasometer Oberhausen und auf der documenta X in Kassel. In der Bundeskunsthalle zeigte er Bilder, die er Minuten nach ihrer Entstehung in Los Angeles über Internet nach Bonn schickte. Seit 1998 mischt sich Hack mit seinem Projekt ARME-SOCKEN-TEPPICH aktiv in die gesellschaftliche Diskussion um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und verschafft denjenigen eine exklusive öffentliche Wahrnehmung, welche von der Politik ausgegrenzt werden.

Neben all den Internetaktionen entstehen täglich auch Bilder auf Hacks Lieblingsmaterial, Plastikplane, der "Leinwand der einfachen Leute". Das Museum zeigt eine Auswahl aktueller Arbeiten, die sich kritisch mit der von den neuen Medien geprägten Sehweise auseinandersetzen, welche sich auf das Klicken der Schlüsselbegriffe "enter" und "escape" reduzieren lässt. Für den Kölner Kunstkritiker Jürgen Raap, der die Eröffnungsrede hält, "manifestieren gerade diese Textbeifügungen die Inhalte und Absichten der Malerei und Projekte: Demokratische Teilhabe aller an den Ressourcen und Möglichkeiten einer Gesellschaft. Teilen, Mitteilen, Austauschen, Einbeziehen..."

Am Eröffnungsabend will Hack die BesucherInnen selbst erfahren lassen, wie eine online vernetzte Party mit Teilnehmern der gesamten Internet-Gemeinde aussehen kann. In Zusammenarbeit mit Metropolis - www.metropolis.de - , einer Internet community mit über 600.000 registrierten "Einwohnern", wird die Eröffnung weit über den Bereich Siegburgs getragen, die Menschen im Netz können sich an der Entstehung eines Bildes beteiligen.

Es erscheint ein Katalog von Dr. Andreas Pohlmann mit einer Einführung von Jürgen Raap, der nicht nur die gezeigten Arbeiten wiedergibt, sondern weitere Einblicke in das Schaffen des "Ultimedia"-Künstlers möglich macht.

11. Februar 2000
Pressemitteilung

Künstler Hack plant grosse Aktion vor dem Reichstag: "Boden-Haftung"

Stummer Protest mit alten Schuhen gegen eine Politik, die sich vom Boden der Tatsachen entfernt hat

Zurück auf den Boden der Tatsachen wollen die Bürgerinnen und Bürger ihre Repräsentanten holen, die sich immer weiter von den Anliegen der kleinen Leute entfernt haben. Statt sich um die drängenden Belange der Bevölkerung wie Massenarbeitslosigkeit und Gestaltung einer lebenswerten Zukunft zu kümmern, nimmt man die meisten Politiker nur noch in eigener Sache wahr, wenn sie sich gegen Missbrauch- und Filzokratievorwürfe verteidigen.

Spendenskandale, Falschaussagen, Beteuerungen, die nach täglicher Wetterlage wechseln, kann keiner mehr hören. Die MandatsträgerInnen sind für die meisten Menschen abgehoben, unerreichbar geworden und lassen sich im Reichstag nur blicken, wenn es sich für sie persönlich lohnt. Das wollen sich die meisten nicht mehr bieten lassen. Die Gefahr einer Radikalisierung wächst, die Gruppe der Nichtwähler war noch nie so erschreckend gross.

Der "Ultimedia"-Künstler Josef Hack, bekannt durch seinen ARME-SOCKEN-TEPPICH, mit dem er medienwirksam auf die Belange der Erwerbslosen hinweist, hat eine weitere Kunstaktion geplant, um den "einfachen, kleinen Leuten", die unsere Demokratie tragen, eine Darstellungsmöglichkeit für ihre Unzufriedenheit zu geben. Hack: "Bevor die öffentliche Unzufriedenheit von radikalen Rattenfängern missbraucht wird, will ich als Künstler der Bevölkerung eine symbolische Gelegenheit geben, ihren Politikern zu zeigen, dass sie von ihnen mehr Nähe zu den eigentlichen Problemen erwartet."

In der Bundeshauptstadt Berlin will Hack ein friedliches, stummes Zeichen gemeinsam mit der Bevölkerung setzen, welches jeder Einzelne mitgestalten kann, um seinen Unmut friedlich zum Ausdruck zu bringen.

Vor dem Reichstagsgebäude will Hack einen riesigen Teppich aus alten Schuhen zusammentragen lassen, d.h. jeder kann seine alten Schuhe dort aufstellen und seine Abgeordneten und die Regierung auffordern, sich "in die Schuhe der einfachen Leute zu stellen", also wieder in die Lage derjenigen zu versetzen, welche sie gewählt haben. "Ihr seid abgehoben, habt den Boden der Tatsachen schon verlassen", mögen viele ihnen symbolisch zurufen und sie so wieder auf die Erde zurückholen. Durch Schilder mit dem Namen derjenigen Politiker, die besonders gemeint sind, können die Schuhe gekennzeichnet werden, diese Schilder kann man später den Betreffenden übergeben.

Der Künstler sieht in seiner Aktion eine wichtige demokratische Funktion, die sich mittels bildlicher, haptischer Elemente als Ausdruckmittel, als Ventil versteht: "So lange die Menschen mit künstlerischen Mitteln ein Netzwerk bilden und nicht mit Pflastersteinen werfen, funktioniert unser Gemeinwesen gut. Damit es so bleibt und die Politiker eine Chance erhalten, sich mit dem Protest positiv auseinanderzusetzen, möchte ich dieses Kunstwerk realisieren.

Die mitgebrachten Schuhe werden von einer caritativen Einrichtung eingesammelt und einer Verwertung zugeführt, deren Erlös Menschen in Not zugute kommt.

Die Aktion ist für den Sommer in Berlin vorgesehen, nähere Einzelheiten werden noch bekanntgegeben.

 

Pressemitteilung und Einladung zum Pressetermin

am Sonntag, 12. Dezember 1999, 15-16 Uhr,
Zufahrt zum Bundeskanzleramt, Schloßplatz, Berlin

Bündnis für Arbeit:
Künstler Hack breitet ARME-SOCKEN-TEPPICH vor Kanzleramt in Berlin aus

Am 12. Dezember wird das vierte Spitzengespräch zum Bündnis für Arbeit im Bundeskanzleramt stattfinden. Wie schon bei allen bisherigen Spitzengesprächen wird der Ultimedia-Künstler Josef Hack die Teilnehmer vor dem Kanzleramt mit seinem ARME-SOCKEN-TEPPICH, einem Kunstwerk aus den Strümpfen tausender Erwerbsloser aus ganz Deutschland, begrüssen.

Ultimedia-Künstler Josef Hack am 12.12.1999 vor dem Bundeskanzleramt in Berlin mit dem ARME-SOCKEN-TEPPICH während seiner Performance zum 4. Bündnis für Arbeit-Spitzengespräch "Kunst des Scheiterns", Foto: Reuters

Hack will gemeinsam mit Erwerbslosen des von ihm gegründeten bundesweiten Aktionsbündnis "arbeit für zukunft" e.V. darauf hinweisen, dass die Betroffenen auch nach einem Jahr immer noch nicht beim Bündnis vertreten sind, und durch seine Kunstaktion den vielen Einzelschicksalen eine grössere Aufmerksamkeit verschaffen. Hack: "Statt sich mit den Anliegen der "armen Socken" zu identifizieren, finden sich immer mehr Menschen mit der hohen Zahl von Erwerbslosen als notwendiges Übel ab. Arbeit gibt es genug, die Neuverteilung als kulturelle Herausforderung muss umso deutlicher in die öffentliche Wahrnehmung gerückt werden. Dies geht uns alle an. Der ARME-SOCKEN-TEPPICH als Netzwerk will hierzu ein deutliches Zeichen setzen."

In der Zeit von 15 bis 16 Uhr, also eine Stunde vor Beginn der Gespräche, wird Hack gemeinsam mit Erwerbslosen den ARME-SOCKEN-TEPPICH vor der Zufahrt zum Bundeskanzleramt, Schloßplatz, Berlin, ausrollen. Während dieser Aktion wird die Gelegenheit zu Information und Interviews, insbesondere aus Sicht von Betroffenen ein Jahr nach dem Start des Bündnis für Arbeit, gegeben.

 

Künstler Hack läßt "Zukunftsbrötchen" für Dortmund backen

Deutsche Arbeitsschutzausstellung und Bäckerinnung fördern eine besondere Form des Dialoges über die Zukunft der Arbeit ­ auf der Brötchentüte

Wenn die Deutsche Arbeitsschutzausstellung Dasa ihre neue Ausstellung "Suche Arbeit ­ brauche Zukunft" (bis 28.11.1999) und den Jugendkongress `99 (bis 5.11.1999) eröffnet, wird dort zugleich ein Projekt des Aktionskünstlers Josef Hack gestartet, an dem sich die gesamte Bevölkerung Dortmunds beteiligen kann. Hack lädt alle ein, sich Gedanken zu machen, wie man sich wohl das tägliche Brot in der Zukunft verdienen wird.

Der Künstler, der mit spektakulären Aktionen wie dem "Virtuellen Dach über dem Ruhrgebiet" (Gasometer Oberhausen 1996) für Aufmerksamkeit sorgte, als er den Himmel über dem Revier gegen eine Zukunftsvision verkaufte, oder durch seinen ARME-SOCKEN-TEPPICH, den er den Bündnis-für-Arbeit-Teilnehmern vor dem Kanzleramt ausrollte, die Belange der Erwerbslosen in den Mittelpunkt rückte (siehe im Internet www.hack-roof.de), will mit dem Projekt "Zukunftsbrötchen ­ back dir deine Zukunft" einen ungewöhnlichen Dialog ins Leben rufen.

Mit Unterstützung der Bäckerinnung Dortmund und Lünen gibt es ab dem 9. November in den meisten Dortmunder Bäckereien "Zukunftsbrötchen" zu kaufen, die sich besonders durch ihre Verpackung von den bisherigen Backwaren unterscheiden. Die Tüten nämlich, die bislang nur dem Transport dienten und anschließend in den Müll wanderten, hat Hack umfunktioniert zum Kommunikationskunstwerk. Auf jeder Brötchentüte befinden sich mindestens fünf Meinungen junger Menschen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren aus dem Raum Dortmund zur Zukunft der Arbeit. Die Käufer sind nun aufgefordert, in einen Dialog einzutreten, d.h. ihre persönliche Stellungnahme hierzu auf die Brötchentüte aufzuschreiben und diese an die Dasa zu senden oder dort vorbeizubringen. Dort werden die Kommentare ausgewertet, die Tüten vom Künstler handgestempelt und signiert und anschließend den Einsendern zur Verfügung gestellt. Bis Ende des Jahres besteht für die gesamte Bevölkerung die Möglichkeit, sich am Dialogprojekt zu beteiligen und sich so sein persönliches Kunstwerk zu sichern.

Zur Vorstellung des Projekts sind Sie herzlich auf ein "Zukunftsbrötchen" in die Bäckerei Kreis, Hagener Str. 357, Dortmund-Kirchhörde, am 9.11. um 12 Uhr eingeladen. Als Gesprächspartner stehen Ihnen zur Verfügung: Jürgen Böhm, Geschäftsführer der Bäckerinnung Dortmund und Lünen, Jugendliche, deren Meinungen sich auf den Brötchentüten wiederfinden, und der Künstler Josef Hack.

 

DER ARME-SOCKEN-TEPPICH

Ein "Ultimedia"-Kunstwerk von Josef Hack

Im Sommer 1998 hatte der Künstler Josef Hack die Idee, denjenigen eine Plattform für öffentliche Aufmerksamkeit zu bereiten, die keine Lobby haben und auch von der öffentlichen Wahrnehmung ausgegrenzt sind, weil sie sich verständlicher Weise nicht outen möchten: Den "armen Socken" unserer Gesellschaft, Erwerbslosen, Obdachlosen und anderen Verlierern, die auf unsere Solidarität angewiesen sind.

Hack, der nach seinen Erfolgen mit dem weltweit ersten interaktiven Fernsehprojekt "Van Gogh TV ­ piazza virtuale" auf der documenta IX 1992 in Kassel sich mit Medienkunstwerken im Internet als einer der ersten in Deutschland einen Namen gemacht hat, hatte schon 1995 damit begonnen, sich für die Ausgegrenzten der Informationsgesellschaft einzusetzen, indem er als erster eine Homepage und eigene Begegnungsmöglichkeiten mit kostenfreiem Internetzugang für Menschen ohne festen Wohnsitz in verschiedenen grossen Städten einrichtete (Das Virtuelle Dach ­ www.hack-roof.de).

Um den Millionen Ausgegrenzten, die sich bisher nur in abstrakten Statistiken wiederfanden, ein Gesicht zu geben, ohne sie zu stigmatisieren, startete Hack einen Aufruf, ihm stellvertretend eine Socke zu schicken, die das jeweilige Einzelschicksal repräsentiert. Tausende von Socken erhielt der Künstler aus ganz Deutschland. Die Betroffenen hatten den ersten wichtigen Schritt unternommen und verstanden, dass auch sie selbst etwas unternehmen müssen, um gehört und gesehen zu werden. Hacks Kunstprojekt war ihnen hierfür sehr willkommen.

Aus den vielen Strümpfen, denen die Spuren eines entbehrungsreichen Lebens anzusehen sind, fertigte Hack einen bunten Teppich, d.h. mehrere ca. ein Meter breite und ca. fünf Meter lange Läufer, die er anstelle eines roten Teppichs dort ausrollt, wo unter der Aufmerksamkeit der Medien wichtige und bekannte Politiker, die Reichen und Einflussreichen, öffentlich Boden betreten. Der Teppich als Symbol des friedlichen und freundlichen Willkommenheissens, der Begegnung, eine Brücke, wurde fortan ein Netzwerk, das die vielen "armen Socken", die einzeln nicht wahrgenommen werden, zu einem unübersehbaren "Hingucker" verband.

Die Premiere als Kunstaktion erlebte der ARME-SOCKEN-TEPPICH am Tag der Bundestagswahl, dem 27.9.1998, als Kanzlerkandidat G. Schröder unter grossem Medienaufgebot in Hannover auf diesem zur Wahlurne ging.

Um die Interessen der stummen Betroffenen in Bilder umzusetzen und mit den Verantwortlichen diese dort zusammenzubringen, wo über das Schicksal der "armen Socken" entschieden wird, holte Hack eine Ausnahmegenehmigung vom Bannmeilengesetz ein und rollte gemeinsam mit Erwerbslosen den ARME-SOCKEN-TEPPICH vor dem Bundeskanzleramt in Bonn aus. Am 7.12.1998, am 25.2.1999 und am 6.7.1999, als dort die Spitzengespräche zum Bündnis für Arbeit stattfanden, rollten die Limousinen der Teilnehmer über den "roten Teppich der besonderen Art" zum Bundeskanzler.

Durch die flächendeckende Berichterstattung in den Fernsehnachrichten, in Rundfunk, Tageszeitungen usw. ergab sich eine Rückkopplung für die Sockenspender/innen, welche zum ersten Mal feststellen konnten, wie sie an prominenter Stelle Schlagzeilen machten.

Inzwischen beteiligen sich immer mehr Menschen an Hacks Projekt. Teile des ARME-SOCKEN-TEPPICHs sollen an wichtige Entscheidungsträger übergeben werden, um sie dadurch zu ermuntern, sich auch für diejenigen einzusetzen, die sich keine Lobby und keine Public Relations leisten können.

Nicht anklagen und jammern, sondern zu neuen Ideen inspirieren und Freude am Teilen wecken soll der ARME-SOCKEN-TEPPICH nach dem Willen seines Urhebers Josef Hack, der noch weitere Aktionen für die Schwachen und Ausgegrenzten plant.

Inzwischen hat der Künstler Hack auf Nachfrage zahlreicher Kunstfreunde eine Serie von Computerdrucken mit Originalausschnitten des ARME-SOCKEN-TEPPICHs herausgegeben. In einer Auflage von je fünf Exemplaren werden diese vom Künstler handgestempelt und signiert zu einem für alle erschwinglichen Preis von 200 DM incl. Holzrahmen angeboten. Vom Verkauf jedes Druckes spendet Josef Hack 50 DM an den von ihm gegründeten Verein "arbeit für zukunft".

Hacks Haltung, den erweiterten Kunstbegriff als Herausforderung anzunehmen, sich mit den dringendsten Fragen der Gesellschaft, der Gestaltung der Arbeit der Zukunft, zu beschäftigen, mag für viele Kunstfreunde noch gewöhnungsbedürftig sein, bei den zahlreichen Betroffenen fand sie sofort Verständnis und grosse Sympathie, die mit dem Erfolg der Aktion von Tag zu Tag wächst.

 

Presseeinladung zum Fototermin

am 20. September 1999,
12.30 Uhr,
im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung,
Jägerstr. 9,
10117 Berlin

Künstler Hack übergibt ARME-SOCKEN-TEPPICH an Minister Riester

Am 20. 9. 1999, um 12.30 Uhr, wird der "Ultimedia-Künstler" Josef Hack ein Teil seines ARME-SOCKEN-TEPPICHs Bundesarbeitsminister Walter Riester für dessen neuen Dienstsitz in Berlin anläßlich eines Gedankenaustauschs überreichen.

Der Teppich, ein aus tausenden Strümpfen erwerbsloser Menschen in ganz Deutschland gefertigtes Kunstwerk, wurde von Hack anstelle eines roten Teppichs mehrfach öffentlich ausgerollt, um diejenigen in den Mittelpunkt des Medieninteresses zu rücken, die sonst immer ausgegrenzt sind: "arme Socken", Erwerblose und ihre Freunde. Jede Socke repräsentiert ein Einzelschicksal, in der Masse ein eindringliches Zeichen, das den vielen Betroffenen zeigen soll, dass sie nicht allein sind.

Am 27. September 1998 ging Gerhard Schröder auf dem ARME-SOCKEN-TEPPICH zur Bundestagswahl und stellte sich als Hoffnungsträger gerne so den Fotografen. Vor den Spitzengesprächen zum Bündnis für Arbeit rollte Hack seinen Teppich vor dem Bonner Kanzleramt aus, um mit diesem friedlichen und einladenden Zeichen auf die notwendige Beteiligung der Betroffenen hinzuweisen.

Nun soll ein Teil des immer weiter wachsenden "Medienkunstwerks mit einfachen Mitteln", so der Künstler, in den Diensträumen des Bundesarbeitsministers an die "armen Socken" gemahnen. Hack: "Ich freue mich, dass Herr Riester mein Angebot angenommen hat, dieses symbolträchtige Netzwerk in seiner Umgebung aufzuhängen. Es soll ihn und die Menschen, mit denen er zusammenkommt, ermuntern, sich auch für diejenigen einzusetzen, die sich keine Lobby und keine professionelle Public Relations leisten können. Der Teppich will nicht jammern und anklagen, sondern möge seine Besitzer zu neuen Ideen und Vernetzungen inspirieren. Wenn die tausenden von Sockenspendern sehen, dass ihre Botschaft an der Schaltstelle der politischen Macht angekommen ist, werden sie weiter Hoffnung haben, dass sich etwas zu ihren Gunsten bewegt. Es darf natürlich nicht nur beim Symbol bleiben."

Hack, der bereits Anfang der Neunziger Jahre mit Internetprojekten für Obdachlose (Virtuelles Dach - www.hack-roof.de) und Kunstaktionen für Ausgegrenzte Aufmerksamkeit erregte, gründetet im April ein Aktionsbündnis für Neue Arbeit " arbeit für zukunft" als Interessenvertretung von Erwerbstätigen und Erwerbslosen mit Sitz in Bonn. Gemeinsam mit Wissenschaftlern, Künstlern, Journalisten und Politikern sollen mit Betroffenen neue Ideen entwickelt bzw. öffentlich vorgestellt werden. Vorsitzender Hack: "Die Gestaltung einer menschenwürdigen Arbeit für die Zukunft und die sofortige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sind nicht nur Aufgaben der Wirtschaft und der Funktionäre. Vielmehr handelt es sich um kulturelle Herausforderungen für uns alle. Erst wenn jeder versteht, dass dies uns alle angeht, wird sich etwas bewegen. Meine Kunst will hierzu die Impulse geben und Zeichen setzen." Ein Teil des ARME-SOCKEN-TEPPICHs kann sich übrigens jetzt jeder als gestempeltes und handsigniertes Kunstwerk erwerben. Hack hat eine limitierte Auflage von Computerdrucken geschaffen, die zum Preis von 200 DM veräussert werden, wovon 50 DM an den Verein "arbeit für zukunft" fliessen.

 

Pressemitteilung, 7. Juli 1999

Bündnis für Arbeit: Viel Lob für Nichts

Bewertung aus Sicht der Betroffenen am Tag danach

Zehn Monate nach der Bundestagswahl und mehr als vier Monate nach dem letzten Treffen kam gestern Abend das Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit in Bonn zum dritten Mal zusammen.

Vor dem Kanzleramt wurden die Teilnehmer wieder von Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, Mitgründer von arbeit für zukunft, mit dem ARME-SOCKEN-TEPPICH empfangen. Außerdem ließen sich Klaus Zwickel, Dieter Schulte, Hans-Olaf Henkel, Roland Issen sowie Dieter Hundt von Hack Brote in Form von Autos als Symbole für die "Kunst des Teilens" sowie eine Liste von Prüfsteinen für das Bündnis überreichen. Die notwendige Bereitschaft zu teilen wurde im Sinne der Betroffenen, die wieder nicht teilnehmen durften, medienwirksam dargestellt.


Quelle: Reuters

Diese Betroffenen ziehen am Tag danach folgende Bilanz: "Außer unverbindlichen Absichtserklärungen ist nichts herausgekommen", so Pressesprecher Dieter Kübbeler, seit sechs Jahren arbeitslos, "diese Ankündigungen und Wünsche kennen wir schon seit Jahren."

Die Erwerbslosen müssen feststellen, daß keine konkreten Maßnahmen beschlossen wurden, die kurzfristig mehr Wachstum und Beschäftigung bringen. Statt konkrete Ergebnisse zu erzielen, wurden wie üblich immer die bekannten Standpunkte ausgetauscht, um das Bündnis in die vierte Runde zu retten.

Beispiel Abbau der Überstunden: Es sollen Maßnahmen gesucht und gefunden werden, die zum Abbau von Überstunden führen. Hier ist nichts Neues zu erkennen, vielmehr fragen sich die Betroffenen, weshalb von einem Durchbruch gesprochen wird. Die Jahresarbeitszeitkonten werden nicht zu Neueinstellungen führen.

Fazit aus Sicht der Erwerbslosen: Diese Vorgehensweise zeigt, es ist notwendiger denn je, daß die bisherige Trennung von "Tätern", wie es kürzlich ein Langzeitarbeitsloser formulierte, am Bündnistisch und "Opfern" draußen vor der Tür aufgehoben wird. arbeit für zukunft stellt fest: Solange nur diejenigen, die für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich sind, bzw. die gezeigt haben, daß sie in der Vergangenheit die Probleme nicht lösen konnten, unter sich bleiben, bleibt es bei schönen Absichtserklärungen, die sich am Ende als heiße Luft herausstellen.

arbeit für zukunft stellt sich als Interessenvertreter der Erwerbslosen und Erwerbstätigen als Gesprächspartner für das nächste Bündnis-Gespräch zur Verfügung und wird nicht locker lassen, die Anliegen der Betroffenen in die Öffentlichkeit zu tragen und neue Wege zur Gestaltung der Arbeit in Zukunft vorzustellen.

Quelle: Reuters  

 

 

Pressemitteilung, 6. Juli 1999

Bündnis für Arbeit - Forderungen und Prüfsteine aus Sicht der Betroffenen

arbeit für zukunft, das Europäische Aktionsbündnis für Neue Arbeit, setzt sich als Interessenvertretung von Erwerbslosen und Erwerbstätigen dafür ein, daß alle sich Gedanken über eine würdige und zukunftsfähige Arbeit machen und dies in Taten umsetzen. Das Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit kann eine Chance sein, mit allen Kräften der Gesellschaft eine gemeinsame Anstrengung zu unternehmen, um die Herausforderungen anzunehmen. Es muß einerseits konkrete und rasch umsetzbare Schritte unternehmen, um die Situation der Betroffenen hier und jetzt zu verbessern, gleichzeitig Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Gestaltung der Arbeit der Zukunft als kulturelle Aufgabe begreifen, die nicht allein aus ökonomischer Sicht betrachtet und behandelt werden kann. Solange die Betroffenen nicht am Bündnistisch sitzen und ihre Forderungen und Erfahrungen selbst einbringen können, besteht allerdings eine Schieflage, die sich nicht durch andere Interessenvertreter ausgleichen läßt. Mit mehreren Aktionen, z.B. dem ARME-SOCKEN-TEPPICH des Künstlers und Mitgründers Hermann Josef Hack, hat arbeit für zukunft als Vertretung insbesondere von Jugendlichen, Langzeitarbeitslosen und Frauen, die als erste die Auswirkungen zu spüren bekommen, von Anfang an auf diese Notwendigkeit hingewiesen.

Am 6.7.1999 wird das Bündnis zum dritten Mal im Bundeskanzleramt tagen. arbeit für zukunft wird auch dann wieder vor dem Kanzleramt die Anliegen der Betroffenen vertreten. Unsere Forderungen an das Bündnis wurden als Prüfsteine für eine konkrete Arbeit aus Sicht der Betroffenen aufgestellt. Erst wenn der erste Erwerbslose am Bündnistisch Platz nimmt bzw. Frauen entsprechend ihrer Betroffenheit dort ausreichend vertreten sind, kann man davon ausgehen, daß die offiziell vier Millionen Ausgegrenzten wirklich ernst genommen werden.

Folgende Punkte gehören aus unserer Sicht dringend behandelt:

Neuverteilung der vorhandenen Arbeit

Durch eine konsequente Neuverteilung können kurzfristig einige hunderttausend zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Dies ist eine vorrangige Aufgabe für das Bündnis für Arbeit, das seit seinem halbjährigen Bestehen noch keine konkreten Arbeitsplätze geschaffen hat.

Sozialauswahl bei Neueinstellungen - Priorität für Arbeitslose

Arbeitgebern in allen Bereichen sollte die Selbstverpflichtung auferlegt werden, bei gleicher Qualifikation Arbeitslose bei der Vergabe von Arbeitsplätzen vorrangig zu berücksichtigen. Bereits jetzt können nach dem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) soziale Belange - dazu gehört auch Arbeitslosigkeit - für Neueinstellungen berücksichtigt werden. Fakt ist jedoch, daß zunächst in den Reihen der Arbeitgeber die diskriminierenden Vorurteile gegenüber Arbeitslosen überwunden werden müssen, da in den meisten Fällen nicht persönliche Gründe für die Arbeitslosigkeit maßgeblich gewesen sind, vielmehr Arbeitslose besonders motiviert und qualifiziert sind. Durch die Einstellung von Arbeitslosen leisten die Arbeitgeber nicht nur einen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, sondern auch zur Steigerung der Kaufkraft und Verbesserung der Sozial- und Fiskalbilanz.

Arbeitsplätze statt Überstunden

Im Rahmen der Auseinandersetzung um die Lohnfortzahlung stellten die Gewerkschaften mit Recht die Überstunden zur Disposition. Trotzdem werden nach wie vor betriebliche Überstundenregelungen getroffen. Solange die Gewerkschaften nur davon reden und ihre Betriebsräte weiterhin alle Überstundenzettel querschreiben, wird hier nichts passieren. arbeit für zukunft fordert von den Gewerkschaften das gleiche Engagement beim Abbau der Überstunden wie bei der Diskussion um die Lohnfortzahlung. Nach realistischen Schätzungen würde dies zu ca. 300.000 neuen Arbeitsplätzen führen.

Reduzierung der geringfügigen Beschäftigungen

Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (z.B. 630-Mark-Jobs) sind keine Arbeitsplätze. Der von der Regierung eingeschlagene Weg, den Mißbrauch der 630-Mark-Jobs einzudämmen, darf nicht aufgrund des Interessengeheules der Lobbyisten verlassen werden. Immer mehr geringfügige Beschäftigungsverhältnisse haben Arbeitsplätze vernichtet. Wie das neue Gesetz nach wenigen Wochen zeigt, sind bereits die ersten geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse in Voll- oder Teilzeitarbeitsplätze umgewandelt worden. Die weitere Entwicklung sollte erst abgewartet werden, bevor unnötiger Weise nachgebessert wird.

Mehr Teilzeitarbeit möglich machen

Die Nachfrage nach Teilzeitarbeit ist weit größer als das Angebot. Nach Berechnungen des IAB der Bundesanstalt für Arbeit können durch eine Steigerung der Teilzeitarbeit um 5,2% ca. 480.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Der öffentliche Dienst muß hier eine Vorreiterrolle übernehmen. Kostenneutrale Anreize oder Arbeitsplatzeinrichtungszuschüsse wären ein richtiger Weg.

Keine Zweitjobs bei ausreichendem Einkommen

Wenn sich unsere Gesellschaft mit den Schwachen solidarisiert, muß sie verhindern, daß zusätzlich zu einem geregelten Vollzeitarbeitsplatz mit tariflicher Bezahlung und sozialer Absicherung weitere Jobs bei ausreichendem Einkommen angenommen werden. In Deutschland haben 528.000 Männer und 183.000 Frauen einen Zweitjob neben einem Vollzeitarbeitsplatz (Statistisches Bundesamt). Nach Schätzungen des Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Unternehmensberater werden alleine im Beamtenbereich 400.000 Arbeitsplätze durch Nebenbeschäftigungen blockiert.

Bekämpfung der Schwarzarbeit

Nach seriösen Schätzungen (Quelle: Friedrich Schneider, Linz "Stellt das starke Anwachsen der Schwarzarbeit eine wirtschaftspolitische Herausforderung dar? Einige Gedanken aus volkswirtschaftlicher Sicht", Arbeitspapier 9000806, Jenner 1999) kann man davon ausgehen, daß die Schwarzarbeit allein in 1997 15% des Bruttosozialprodukts ausgemacht hat, das sind 548 Milliarden DM mit steigender Tendenz, mehr als 18 mal soviel wie die 30 Mrd. Eichel-Einsparung! Der volkswirtschaftliche Schaden trifft die gesamte Gesellschaft durch ausbleibende Steuern bzw. Sozialabgaben und vernichtet Arbeitsplätze im 1. Arbeitsmarkt. Nur durch eine konsequente und wirksame Bekämpfung der Schwarzarbeit läßt sich dieser Schaden verringern.

Qualitäts- und Erfolgskontrolle bei Maßnahmen, die durch die Bundesanstalt für Arbeit gefördert werden

Viele Qualifizierungsmaßnahmen gehen ins Leere, wenn sie nicht am Erfolg ihrer Bemühungen gemessen werden. Was nutzt es, wenn kurzfristig Menschen qualifiziert werden, um dann wieder in die Arbeitslosigkeit zu fallen? Nur wenn auch hier höchste Professionalitäts- und Qualitätsanforderungen zugrunde gelegt und vor allem einer Erfolgskontrolle unterzogen werden, sind die öffentlichen Gelder der Bundesanstalt für Arbeit richtig angelegt.

Keine Parkplätze im 2. Arbeitsmarkt

Der 2. Arbeitsmarkt ist notwendig und sinnvoll zur Unterstützung von Programmen für Jugendliche, Frauen und bestimmte benachteiligte Gruppen. Akzeptabel ist er nur, wenn eine befristete Förderung mit dem Ziel Schaffung von Dauerarbeitsplätzen erfolgt. Der jetzige Verfall des 2. Arbeitsmarktes zum Parkplatz für Arbeitslose und zur Degenerierung zur Sozialpolitik kann nicht hingenommen werden. Die meisten Arbeitslosen sind keine Betreuungsfälle, sie sind motiviert und qualifiziert zu arbeiten. Die Institutionalisierung des 2. Arbeitsmarktes durch Planstellen für Projektleitung, Betreuung etc. hat zu einer permanenten Verwaltung der Arbeitslosigkeit, nicht zur Bekämpfung geführt. arbeit für zukunft fordert daher eine Evaluierung des 2. Arbeitsmarktes.

Mitwirkung von Betroffenen, wo über Betroffene entschieden wird

arbeit für zukunft fordert Mitwirkung in allen Gremien, die auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt ausgerichtet sind durch diejenigen, über deren Schicksal dort entschieden wird. Dies trifft vor allem auf das bundesdeutsche Bündnis für Arbeit zu, läßt sich aber genauso für den beschlossenen Europäischen Beschäftigungspakt feststellen: Es kann nicht sein, daß diejenigen, die für die Massenarbeitslosigkeit verantwortlich sind, jetzt unter Ausschluß der Betroffenen versuchen, Lösungen zu finden, die sie jahrelang nicht angeboten haben, oder härter ausgedrückt von einem Erwerbslosen: "Die Täter sitzen am runden Tisch, die Opfer müssen draußen bleiben."

Die über vier Millionen Arbeitslosen müssen ebenso an den Selbstverwaltungsorganen der Bundesanstalt für Arbeit beteiligt werden. Sie wissen am besten, welche Maßnahmen den Erwerbslosen wirklich nutzen.

Effiziente Unterstützung bei Existenzgründungen

Viele junge UnternehmerInnen würden gerne das Risiko einer Existenzgründung eingehen, mit dem sie anderen neue Arbeitsplätze schaffen. Was fehlt, sind fachliche Unterstützung im Regulierungsdschungel der Behörden und Risikokapital. Geld ist ausreichend vorhanden, es wird aber nur denen gegeben, die schon reichlich haben. Nur, wenn Existenzgründungen effizient gefördert werden, entstehen neue Arbeitsplätze, vor allem im neuen Dienstleistungssektor.

Bedeutung und Stellenwert menschlicher Arbeit

Will man ein Bündnis für Arbeit schließen, sollte man zunächst einmal den Stellenwert und die Bedeutung der menschlichen Arbeit für die Gesellschaft diskutieren. Jede Interessengruppe definiert Arbeit für ihre Zwecke anders. Die Würde und kulturelle Bedeutung einer Arbeit, die diesen Namen verdient, kommt dabei zu kurz. arbeit für zukunft fordert eine Grundsatzdiskussion in der Gesellschaft über die Anforderungen an die Arbeit von heute und der Zukunft.

 

Pressemitteilung, 30. Juni 1999

hack-i.de

Künstler Hack macht jeden zum Mitkünstler im Internet

Neues Kunstwerk zur Entschleunigung geht heute online

Der Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, 43, dessen erstes Internet-Kunstwerk "Virtuelles Dach" einen Ehrenpreis beim internationalen Prix Ars Electronica 1997 gewann, stellte heute, am 30. Juni, 11 Uhr, sein neues Internet-Kunstprojekt im Stadtmuseum Siegburg, Markt 46, vor. Unter der Adresse www.hack-i.de lädt der Künstler alle ein, sich auf eine Entschleunigung einzulassen. Während für die meisten hektischen Netznutzer das ungeduldige Warten auf die nächsten Webseiten eine schier unerträgliche Qual bedeutet, dreht Hack die Sache um und läßt seine BesucherInnen bewußt einen Prozeß der Verlangsamung erfahren.

Es startet der Gast, indem er oder sie in die erste aus über tausend Zeichnungen klickt. Je nachdem, in welchen Bereich der Zeichnung geklickt wurde, baut sich eine neue Zeichnung auf. Auf diese Weise entsteht eine Reihe von Zeichnungen, die individuell vom jeweiligen Nutzer beeinflußt und in ihrer Abfolge einmalig sind. Hack erklärt seinen Gast zum Mitkünstler, der sich sein einzigartiges Kunstwerk in Form eines comic strip mit entsprechendem Zertifikat ausdrucken lassen kann. "Ich wollte etwas schaffen, das die Distanz zwischen Künstler und Betrachter aufhebt, ohne auf einer banalen Unterhaltungsebene zu landen", so Hack bei der Präsentation. "Es war nicht leicht, die technischen Verknüpfungen so zu realisieren, daß der Nutzer animiert wird, sich von der Langsamkeit inspirieren zu lassen. Ich danke den Spezialisten der Firma gekko Gesellschaft für Kommunikation und Kooperation in Sankt Augustin, die das Projekt technisch betreuen, für ihre gute und kreative Arbeit."

Hack, vielen bekannt durch seine Kunstaktionen für Benachteiligte, z.B. den ARME-SOCKEN-TEPPICH, hat bewußt eine reduzierte schwarz-weiß-Ästhetik gewählt, die sich von den schrillen und bewegten Bildern des "Internetzirkus" entfernt und den Besucher zu den Wurzeln der Zeichnung zurückführen will. Die Entschleunigung als Chance für eine intensivere Wahrnehmung spielt in Hacks neueren Arbeiten eine wichtige Rolle. Das Internetprojekt will Vorreiter für eine Wende sein in einem Kontext, in dem z.Z. alles der Beschleunigung huldigt. Künstler Hack: "Gute Kunst ist immer zugleich Anreger für neue Ideen. Dieses Projekt versteht sich als Ideenstimulator. Ich hoffe, es bringt viele Menschen auf gute Ideen."

Bitte vormerken: Hacks nächste Aktion vor dem Bundeskanzleramt zum Bündnis für Arbeit am 6. Juli 1999, vsl. 13 Uhr, "Kunst des Teilens". Hack wird den Bündnisteilnehmern Brote in Form von Autos überreichen.

 

Pressemitteilung, 20. April 1999

Neue Bilder von H. J. Hack in Japan ausgestellt

Deutsches Institut für Japanstudien in Tokyo zeigt Arbeiten zum Thema Internet für Arme

Tokyo/Sankt Augustin. Seit heute zeigt das Deutsche Institut für Japanstudien, Nissei Kojimachi Bldg, Chiyoda-Ku, in Tokyo eine Auswahl neuer Arbeiten des Ultimedia-Künstlers Hermann Josef Hack parallel zur Präsentation von dessen Internetwerk "Virtuelles Dach" im Machida City Museum of Graphic Arts, Tokyo.

Es handelt sich um neuartige Bilder, die der Künstler auf Plastikplane mit spezieller Siebdruckfarbe malt. Das wetterfeste Material hat Hack zu Farbflächen zusammengefügt, so daß sie an die Struktur von Internetseiten erinnern. Die Zitate von typischen Internet-Operationsanweisungen wie "click here, home, enter" usw. machen die mit diversen Symbolen angereicherten Bilder zu "Internetseiten für Arme, die international verstanden werden, auch dort, wo kein Strom fließt," so Hack. Immer wiederkehrende Symbolfiguren wie Brotlaiber, die mal zu Autos, mal zu Flugzeugen mutieren, stehen für das tägliche Brot, für Inhalte, die sich mit Entschleunigung, Umverteilung und der Frage nach der Sinntiefe von Internetangeboten auseinandersetzen.

Joachim Röhr, Initiator der Ausstellung in Tokyo: "Bei den deutschen wie japanischen BesucherInnen stoßen die außergewöhnlichen Bilder auf großes Interesse. Die gelungene Verbindung zwischen HighTech-Thema Internet in Bezug auf Randgruppen und der traditionellen Malerei als Medium spricht die japanischen Besucher besonders an." Hacks Bilder werden bis August in Tokyo zu sehen sein, bevor sie dann erstmals in Deutschland gezeigt werden.

 

Pressemitteilung, 15. April 1999

Künstler Hack gründet Europäisches Aktionsbündnis für Neue Arbeit;
Präsentation im KUNSTMUSEUM Bonn am 15. April 1999

Am 6. April 1999 wurde im Alten Bonner Rathaus das Europäische Aktionsbündnis für Neue Arbeit arbeit für zukunft auf Initiative von Medienkünstler Hermann Josef Hack gegründet. Der Verein hat seinen Sitz bewußt in Bonn, der Bundesstadt mit internationalen Einrichtungen und europäischer Ausrichtung, gewählt.

Zweck des als gemeinnütziger Verein konzipierten Zusammenschlusses ist ein europäisches Aktionsbündnis aller Teile der Gesellschaft zur Verbesserung der Arbeit der Zukunft. Insbesondere wird der Verein unterstüzt von Künstlern, Wissenschaftlern, Politikern, Erwerbstätigen und Erwerbslosen. Ziel ist es, dass sich nicht nur Erwerbslose, sondern auch diejenigen, die erwerbstätig sind, Gedanken machen und sich aktiv dafür einsetzen, dass eine gerechte und würdige, zukunftsfähige Gestaltung und Verteilung der Arbeit erfolgt. Der Verein will vermitteln zwischen denjenigen, die Auswege aus der Arbeitslosigkeit anbieten, und denjenigen, die sie anwenden sollen, damit unsere Gesellschaft auf dem Weg ins dritte Jahrtausend sich nicht spaltet, sondern damit die Arbeit der Zukunft kreativ, menschenwürdig und gerecht wird.

Hermann Josef Hack, Vorsitzender des Aktionsbündnisses, auf der ersten Pressekonferenz im KUNSTMUSEUM Bonn am 15. April 1999: "Sie werden sich fragen, warum ich als Künstler ein Aktionsbündnis für Neue Arbeit gegründet habe. Auch das KUNSTMUSEUM als Ort der ersten Pressekonferenz mag zu diesem Thema eher ungewohnt erscheinen.

In meiner künstlerischen Arbeit der letzten Jahre habe ich allerdings die Erfahrung gemacht, dass es zwar vor Ort Initiativen gibt, die Erwerbslose betreuen, es aber keine unabhängige, überregionale und interdisziplinäre Einrichtung gibt, welche die Interessen der Erwerbslosen bzw. derer, die sich für neue Arbeitsformen der Zukunft engagieren, gegenüber den großen Interessenverbänden der Wirtschaft, den Funktionären und Politikern, vertritt.

Wenn es stimmt, dass in Kürze 20% der Gesellschaft ausreichen, um das gesamte Bruttosozialprodukt zu erwirtschaften, stellt sich uns allen die Frage, was 80% der Bevölkerung Sinnvolles und Würdiges tun werden. Hier können Kunst und Kultur eine verantwortungsvolle und spannende Aufgabe zurückgewinnen, die sie in der momentanen Beliebigkeit zu verlieren drohen.

Durch das gemeinsam mit Dieter Kübbeler durchgeführte Kunstprojekt ARME-SOCKEN-TEPPICH gelang es, die Aufmerksamkeit großer Teile der Bevölkerung auf die eigentlichen Hauptpersonen zu lenken, die "armen Socken", um die es bei den Bemühungen für eine zukunftsfähige Arbeitsgestaltung gehen muss. Am Wahltag, dem 27.9.1998, wurde der ARME-SOCKEN-TEPPICH vor Gerhard Schröder ausgerollt, am 7.12.1998 und am 25.2.1999 vor dem Bundeskanzleramt, um auf die Notwendigkeit hinzuweisen, dass die Betroffenen an den Bündnis-Tisch gehören. Mit künstlerischen Aktionen weckt man zwar das Interesse und die Einsicht in die Notwendigkeit politischen Handelns (awareness), dies muss aber aufgenommen werden von einem Aktionsbündnis, wie wir es Ostern gegründet haben. Da es sich nicht um eine national begrenzte Aufgabe handelt, suchen wir bewusst den Kontakt zu unseren europäischen Nachbarn. Hier bestehen schon erste Anknüpfungspunkte.

Wichtig ist, dass es uns gelungen ist, viele Frauen zu gewinnen. Sie sehen anhand der 80%-Quote im Vorstand, dass wir nicht nur über Arbeit der Zukunft nachdenken, sondern die Hauptbetroffenen selbst aktivieren wollen.

Dies gilt natürlich auch für die Zusammenarbeit von Erwerbstätigen und Erwerbslosen an der Frage, wie muss die Arbeit der Zukunft beschaffen sein. Natürlich sind wir nicht die ersten oder gar einzigen, die sich mit der Frage befassen. Bisher liegt der Schwerpunkt allerdings fast ausschließlich auf dem Gebiet der Forschung mit dem Ziel, die ökonomischen Fragen zu klären, um ein Wirtschaften "wie bisher" zu ermöglichen und denjenigen, die es zu Wohlstand gebracht haben, diesen Wohlstand zu sichern. Fragen der Kultur, Würde, Lebensqualität mussten bisher hinten anstehen bzw. kamen nicht vor.

arbeit für zukunft will auch und gerade diese Aspekte erforschen und erproben. Dass dies ein hochgestecktes Ziel ist, ist uns bewußt. Wir sehen einen weiten Weg und möchten alle dazu einladen, diesen Weg mit uns zu gehen.

Konkret sind Aktionen im Juni geplant, wenn das Bündnis für Arbeit wieder tagt, und zum G7-Gipfel in Köln. Für das nächste Jahr bereiten wir eine große Aktion in Berlin vor, wenn die Regierung dort angekommen ist. Die EXPO 2000 hat sich für unsere Arbeit interessiert. Hearings zu speziellen Themen wie z.B. "Sozialauswahl bei Neueinstellungen" sind in Vorbereitung. Für weitere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung."

Das Europäische Aktionsbündnis für Neue Arbeit arbeit für zukunft ist zu erreichen:

Tel. 49-2248-1427 (Pressesprecher Dieter Kübbeler)
Tel. 49-2241-33 47 34 (Hermann Josef Hack)
Fax 49-2241-34 37 87
e-mail: hackhyper@aol.com
Postfach 170 332, D-53029 Bonn

 

arbeit für zukunft
Europäisches Aktionsbündnis für Neue Arbeit e.V. in Gründung

work for future
European Alliance for New Work

Postfach 170 332
D-53029 Bonn

Tel. 02248 1427 oder 02241 33 47 34
Fax 02241 34 37 87

Pressemitteilung, 9. April 1999

Künstler Hack gründet Europäisches Aktionsbündnis für Neue Arbeit:
arbeit für zukunft stellt sich der Öffentlichkeit vor

Am 6. April 1999 wurde im Alten Bonner Rathaus das Europäische Aktionsbündnis für Neue Arbeit arbeit für zukunft gegründet. Zweck des als gemeinnütziger Verein konzipierten Zusammenschlusses ist ein europäisches Aktionsbündnis aller Teile der Gesellschaft zur Verbesserung der Arbeit der Zukunft. Insbesondere wird der Verein unterstüzt von Künstlern, Intellektuellen, Wissenschaftlern, Politikern und Erwerbslosen. Ziel ist es, dass sich nicht nur Erwerbslose, sondern auch diejenigen, die erwerbstätig sind, Gedanken machen und sich aktiv dafür einsetzen, dass eine gerechte und würdige, zukunftsfähige Gestaltung und Verteilung der Arbeit erfolgt. Der Verein will vermitteln zwischen denjenigen, die Auswege aus der Arbeitslosigkeit anbieten, und denjenigen, die sie anwenden sollen, damit unsere Gesellschaft auf dem Weg ins dritte Jahrtausend sich nicht spaltet, sondern damit die Arbeit der Zukunft kreativ, menschenwürdig und gerecht wird.

Die Initiatoren, Hermann Josef Hack und Dieter Kübbeler, wollen damit eine Lücke schließen. Einerseits zwischen den zahlreichen regionalen Initiativen, die eine Vor-Ort-Arbeit leisten, sich aber nicht um überregionale und politische Fragen kümmern können, und den großen Interessenverbänden, Funktionären und Politikern. Andererseits zwischen Erwerbslosen und Menschen, die nicht unmittelbar von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Kübbeler gründete vor ca. sechs Jahren eine bundesweit operierende Arbeitslosen-Selbsthilfeinitiative, die er bis vor kurzem leitete. Der Ultimedia-Künstler Hack richtet einen Schwerpunkt seiner Kunst auf die Interessen von Ausgegrenzten, indem er schon vor Jahren kostenfreie Internetzugänge für Arme einrichtete (Virtual Roof - www.hack-roof.de). Gemeinsam mit Kübbeler realisierte er die Aktion ARME-SOCKEN-TEPPICH, zuletzt vor dem Bundeskanzleramt, um auf die Teilnahme von Erwerbslosen am Bündnis für Arbeit hinzuweisen.

Erfreulicherweise beträgt der Frauenanteil im Vorstand 80%. Das entspricht der Gewichtung, die arbeit für zukunft auf das Thema Frauen und Arbeit legen wird: Zum Vorsitzenden wurde Hermann Josef Hack (42) gewählt, als Stellvertreterinnen wurden gewählt Gerlinde Breuer, Ökotrophologin, und Ulla Döhnert, Marketing-Referentin.

Die ersten Aktionen sind in den nächsten Monaten geplant, wenn das Bündnis für Arbeit wieder zusammenkommt bzw. zum Europäischen Gipfel in Köln. Hierüber wird die Öffentlichkeit in Kürze informiert. Zu weiteren Informationen stehen wir gerne zur Verfügung.

8. März 1999

Pressemitteilung

Hack-Internetkunst in Tokyo ausgestellt

Machida City Museum of Graphic Arts zeigt Virtuelles Dach des deutschen Medienkünstlers

Auf Einladung des japanischen Kurators You Minowa ist das Internetkunstprojekt des Medienkünstlers Hermann Josef Hack, 42, aus Sankt Augustin als einziges deutsches Medienkunstprojekt in einer online-Ausstellung des Machida City Museum of Graphic Arts, Tokyo, ausgewählt worden.

Unter der Adresse http://plaza.bunka.go.jp/museum/kikaku/exhibition01/main-gallery4-e.html gelangt man direkt auf die Seite, unter der Hacks Virtual Roof, in Deutschland bekannt unter "Virtuelles Dach", präsentiert wird. Wem diese Adresse zu lang ist, kann sich unter http://plaza.bunka.go.jp durchsurfen.

Kürzlich hatte Hack in Deutschland mit seinem ARME-SOCKEN-TEPPICH und Bildern zum Thema "Umverteilung", die er vor dem Bundeskanzleramt ausgebreitet hatte, für Schlagzeilen gesorgt. Über den Erfolg in Japan, wo er im April einige der neuen Bilder ausstellen wird, freut sich der Künstler: "Mehr noch als in Deutschland interessiert man sich im High-Tech-Land Japan für meine Kombination von neuesten Medien und den Inhalten, die vom Einsatz für die Schwächsten in der Gesellschaft geprägt sind. Dank der grenzenlosen Welt des Internet finden meine neuesten Arbeiten nun auch in Ländern Zuspruch, die über unseren Kulturkreis hinausgehen. Dies freut mich genauso, wie wenn auch hierzulande das Angebot angenommen wird."

 

25. Februar 1999

HACK-tion: Arme-Socken und Kunst-gebung vor dem Kanzleramt

Als die Limousinen der Bündnisteilnehmer/innen heute ins Bundeskanzleramt einrollten, wurden sie wieder mit dem Arme-Socken-Teppich empfangen. Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, 42, hatte die von ca. 5.000 Arbeitslosen aus der gesamten Bundesrepublik als Symbol für ihr persönliches Schicksal gespendeten und von ihm zu einem roten Teppich der anderen Art vernetzten Socken bereits beim ersten Treffen des Bündnisses ausgebreitet.

Teppich

Zusätzlich war die Einfahrt mit Bildern ausgelegt, die "den Boden für eine Umverteilung bereiten". Künstler Hack hat spezielle Arbeiten aus Folie, die jedem Wetter trotzt und z.B. als Lkw-Plane "auf der Straße zuhause ist", seit seiner Beschäftigung mit dem Thema gefertigt. In ihrem Aufbau erinnern sie an die Struktur von Internetseiten und bieten wie diese dem Betrachter ein Menü von verschiedenen Einstiegspunkten zum Thema an. Begriffe wie "Umverteilung", "new deal", "arm, krank, reich, gesund" oder "Entschleunigung" bieten den Einstieg in einen Dialog mit dem Betrachter auf der Straße.

So war es für die wartenden Journalisten, Schulklassen und die erwarteten Gesprächsteilnehmer/innen ein völlig neues Bild, vor dem Kanzleramt einen Bilderteppich vorzufinden. Bundesgesundheitsministerin Fischer (B 90/Grüne) flanierte interessiert an diesem Bilderteppich vorbei, während die Funktionäre eilig ihre Fahrt fortsetzten.

Als erste Station werden einige Arbeiten des Bilderteppichs demnächst in Tokyo zu sehen sein. Dort interessiert man sich für Hacks Kombination von Internetoberfläche und sozialpolitischem Inhalt, die der Medienkünstler bei seinen Aktionen in Beuys'scher Tradition einsetzt.

Für Dieter Kübbeler, seit fast sechs Jahren arbeitslos und Gründer einer bundesweiten Arbeitslosen-Selbsthilfeorganisation, war die Aktion "wieder ein großer Erfolg für die Erwerbslosen. Die Bilder berühren einen sensiblen Bereich. Es gelingt ihnen auszudrücken, um was es uns geht, ohne plumpe Propaganda und doch sehr wirkungsvoll."

 

7. Dezember 1998

Bündnis für Arbeit:
Arme Socken wollen an den runden Tisch
Hack-Kunstaktion mit Ai 2000 am 7. Dezember vor dem Bundeskanzleramt in Bonn

Als sich am 7. Dezember das Bündnis für Arbeit beim Bundeskanzler konstituierte, fehlten diejenigen auf der Teilnehmerliste, über deren Schicksal sich Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politiker Gedanken machen wollten. Obwohl die neue Regierung in ihrer Koalitionsvereinbarung ausdrücklich festgeschrieben hat, daß sie alle gesellschaftlichen Gruppen an diesem Bündnis beteiligen will, gilt für die über 4 Millionen Arbeitslose immer noch: "Wir müssen leider draußen bleiben!"

Um auf diesen Zustand in konstruktiver Weise aufmerksam zu machen, legte der Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, 42, vor den Augen der zahlreichen Journalisten in der Einfahrt zum Bundeskanzleramt einen Teil seines ARME-SOCKEN-TEPPICHs aus. Der 20 Meter lange Läufer war aus Socken von Hack gefertigt, die er von tausenden Arbeitslosen bzw. deren Freunde aus ganz Deutschland erhalten hatte. Diese repräsentierten auf stumme und eindrucksame Art, daß es um die vielen Ausgegrenzten geht, die sich nicht gerne in die Öffentlichkeit trauen, so lange sie von ihren Mitmenschen stigmatisiert werden.

Die Arbeitsloseninitive (Ai) 2000, seit fünf Jahren bundesweite Selbsthilfeorganisation der Erwerbslosen, hatte ihre Mitarbeit am Bündnis zwar angeboten, wurde aber nicht eingeladen. Dieter Kübbeler, Vorsitzender der Ai 2000 und seit über fünf Jahren selbst arbeitslos: "Die in die neue Regierung gesetzten Hoffnungen vieler Erwerbsloser sinken dahin, wenn sich diejenigen, die Arbeit verteilen, mit denjenigen, die ihre Arbeitsplätze verteidigen, exklusiv über die Zukunft der Arbeit in Deutschland unterhalten. Wir erwarten endlich mehr Öffnung für alle Betroffenen, besonders für die Arbeitslosen selbst. Schließlich wissen wir am besten, was den Erwerbslosen wirklich hilft."

Bedenkt man, daß insgesamt etwa ein Viertel der Bevölkerung mittelbar oder unmittelbar von Arbeitslosigkeit betroffen ist, sollte nach Meinung der Ai 2000 diese Gruppe im Bündnis repräsentiert werden, wenn man nicht die Fehler der alten Regierung wiederholen will.

Um den Veranstaltern ihr Angebot zur Mithilfe deutlich zu machen, wählten die Arbeitslosen Hacks ARME-SOCKEN-TEPPICH, auf dem Gerhard Schröder am 27. September zur Wahl geleitet wurde. Die Kunstaktion konnte dann auch Hoffnung und eine friedliche und kooperative Gesprächsbereitschaft zum Ausdruck bringen, wo Worte und Appelle an die Veranstalter bisher nicht weitergekommen sind.

Hack wird gemeinsam mit der Ai 2000 e.V. weiter daran arbeiten, daß nicht nur über die Arbeitslosen und Ausgegrenzten geredet wird, sondern daß mit Ihnen über die Verbesserung ihrer Lage gesprochen und vor allem gehandelt wird.

Fotos: dpa

In Zusammenarbeit mit der Arbeitslosen-Initiative 2000 e.V. Siegburg
Tel. 02241/59 08 88, Fax 02241/59 07 77

Presseinformation

Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack und Ai 2000 geleiteten Gerhard Schröder auf ARME-SOCKEN-TEPPICH zur Wahl

Hannover. Am 27. September 1998, kurz nach 10:30 Uhr, empfingen der Ultimedia-Künstler Hermann Josef Hack, Dieter Kübbeler, Geschäftsführer, und Gert Novatscheck, Pressesprecher der Arbeitslosen-Initiative (Ai) 2000 den Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder in Begleitung seiner Frau Doris auf der Arnswaldtstraße vor dem Wahllokal in Hannover. Auf dem Boden hatte Hack den ARME-SOCKEN-TEPPICH ausgebreitet, ein Netzwerk, welches aus einigen Tausend abgelegter Socken von Arbeitslosen aus der gesamten Bundesrepublik stammt. Mehrere Initiativen waren dem Aufruf Hacks und der Ai 2000 gefolgt und hatten sich von ihrer Fußbekleidung getrennt, um so auf die vielen Einzelschicksale aufmerksam zu machen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Der Teppich sollte als Hoffnungsträger dem neuen Bundeskanzler auf dessen Weg zur Wahlurne vor Augen führen, welche Erwartungen vor ihm liegen. Hack zu Gerhard Schröder: "Herr Ministerpräsident, vor Ihnen liegt ein Teppich, der von etwa 600 Arbeitslosen-Initiativen stammt. Als Hoffnungsträger soll er Sie an diesem für Ihre politische Karriere sicher wichtigsten Tag an die vielen Arbeitslosen erinnern. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!"

Gerhard Schröder erwiderte: "Das ist eine gute Arbeit, die Sie da machen, dieses Thema wird das wichtigste für die nächsten vier Jahre."

Über einen ca. 20 Meter langen ARME-SOCKEN-TEPPICH schritt Schröder in Begleitung einer über 50-köpfigen Fotografenschar dann ins Wahllokal und kehrte, entgegen der ursprünglichen Planung, das Gebäude durch den Hinterausgang zu verlassen, auch über den Teppich wieder zurück, wo er sich von seiner Frau neben dem Künstler Hack und den Arbeitslosen mit einer Kleinbildkamera fotografieren ließ.

Fotomaterial ist bei allen großen Presseagenturen verfügbar, kann aber auch bei uns erfragt werden.

Fotos: dpa

 


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Hermann Josef Hack